Dark Side of the World

Das Magazin für alle Themen jenseits des stressigen Alltags

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Weil bisher alle meine Geschichten ein trauriges oder bedrückendes Ende fanden, gibt es diesmal eine Geschichte frei von Drama oder Tragik. Diesen Blog werde ich von ganzen Herzen den CW'ler zzz79 widmen. Diese Kurzgeschichte ist für dich, Bro. ^^

 

 


Das Alpha – Programm

 

 


- Prolog -

 


Dickflüssig wird die schäumende Gischt gegen die verrosteten Stahlmauern gespült. Das Wasser ist dreckig braun. Kein schöner Anblick, doch Isaac mag es hier oben auf den verrosteten Rohren am großen Wall zu sitzen und den Wellen zuzuschauen. Es gibt nicht mehr viel Wasser auf der Erde. Die Ozeane sind zu kleinen Seen geworden und tote Landmassen haben den Planeten eingenommen. Die Ozonschicht ist fast vollständig verschwunden und an manchen Tagen herrschen Temperaturen von weit über 40 Grad. Hier in der Gegend von Rostadt gibt es zwar keine Wüsten, dafür aber karges Felsgestein so weit das Auge reicht. Jenseits der Sennberge erheben sich Vulkane, deren Lava und heiße Luft für alle tödlich sind.
Die Welt geht zu Grunde denkt sich Isaac, währenddessen er auf das Wasser unter seinen Füßen schaut. Er hat die Beine angewinkelt und seine Arme um die Schienbeine geschlungen. Isaac hasst sein Leben, die Welt und die Tatsache das er überhaupt existiert.

 

 

 

 

 


- Rostadt -

 

 

Sein integrierter Wecker schrillt heute wieder eine Stunde später als geplant. Ein Defekt den Vaucanson unbedingt noch beheben muss, aber er findet dafür einfach keine Zeit. Die letzten Monate über drehten sich seine Gedanken nur um eine Sache: Das Alpha – Programm, eine von ihm entwickelte Möglichkeit der Energiegewinnung. Sonnenenergie war eine lange Zeit hinweg die ultimative Lösung gewesen, doch seitdem es immer wieder heftige Sommerstürme und schwarze Wolkenmassen gibt, welche die Sonne über Monate hinweg verdecken, wird es langsam brenzlig. Ohne Energie kann die Zivilisation nicht fortbestehen. Vaucanson hatte jedoch die rettende Idee als er eines Morgens aufstand und sich, genau wie heute, für die Arbeit fertig machte.
Jetzt sind schon vier Jahre vergangen und das Alpha – Programm befindet sich in der Endphase.

 

 

     Gehetzt eilt Vaucanson über die viel befahrende Straße, auf welcher die Vekrons, metallene Vehikel auf Schienen, mit hoher Geschwindigkeit an ihm vorbei zischen. Ein Blick über seine Schulter offenbart sein Heim. Er wohnt im 503. Stock des T - Turmes in Rostadt. In dieser Stadt leben10 Millionen Einwohner auf engstem Raum, aber die Luft ist frei von Schadstoffen. Man fährt elektrisch und lebt elektrisch. Fossile Brennstoffe sind in nahezu allen Bereichen überflüssig geworden. Aber dennoch gibt es unschöne Nebeneffekte des Großstadtlebens. Vaucanson eilt über den Bürgersteig und schaut kurz zu den Abflussrohren die sich in der Unterstadt befinden. Gallertartige Fäden tropfen von der Rohrdecke auf den Boden. Um diesen giftig grünen Schleim zu beseitigen tun kleine Säuberungsroboter ihr Bestes. Vaucanson kann sie nur bemitleiden, aber viel Zeit bleibt ihm nicht. Er ist in großer Eile, also rennt er die Straße entlang zu einem Bahnhof des CF- Elevators. Alle vier Minuten fährt dieser hinauf und hinab, um Arbeiter in die Ober – oder Unterstadt zu befördern. Vaucanson muss hinauf in sein Büro. Ein Treffen mit den Vorsitzenden der GeroTech steht an. Jenes Unternehmen, welches für sein Alpha – Programm zuständig ist.

 

 

 

 

 

 

 

Vor dem CF – Elevator hat sich eine kleine Menge versammelt, so dass er sich mühsam durch drängeln muss, um noch den nächsten Aufzug erreichen zu können. Dabei entdeckt er Capek, einen alten Freund und Arbeitskollegen. Als dieser ihn in der Menge erspäht, zwängt er sich an den Wartenden zu ihm durch.
„Vauc, alter Freund. Du wohnst in der Oberstadt. Warum wartest du hier mit uns unten am Bahnhof?“
„Die Zugangsstraßen in meinem Wohnturm sind wegen Wartungsarbeiten gesperrt.“
„Immer noch? Ich dachte der Schaden wurde nun endlich mal behoben.“ In Capek's Stimme klingt Unverständnis mit.
Vaucanson ist selbst genervt von dem Umstand jedes Mal in die Unterstadt zu müssen, aber was soll er machen? Zusammen warten sie nun auf den Aufzug, welcher sich gerade in Sichtweite bewegt.
„Wie geht es deiner Frau?“
Vaucanson hält kurz inne bevor er sagt: „Nicht so gut.“
„Ist Vomisa noch immer traurig wegen Isaac?“
„Er war unser Wunschkind und wir haben ihn uns selbst ausgesucht. Von uns beiden trägt er die signifikantesten Merkmale.“ Der Fahrstuhl erreicht mit einem lauten Zischen den Boden und öffnet seine einladenden Türen. Die Masse drängt hinein, wobei einige neugierige Köpfe zu Vaucanson und Capek wandern.
„Isaac distanziert sich jedoch von uns und er schwänzt die Schule. Tag um Tag sitzt er auf den verrosteten Rohren am Stadtrand.“
„Er ist ein Teenager. Wir waren alle mal so“, versucht ihn Capek zu beruhigen.
Auch Vaucanson hatte einst seine Existenz beklagt und alles und jeden verteufelt. Wenn er so darüber nachdenkt dann ist ihm Isaac sogar ähnlicher als er einst zu hoffen wagte.
„Du hast Recht“, gibt er schließlich zu.
„So gefällst du mir. Und Vomisa wird das auch noch irgendwann verstehen. Vielen Müttern ergeht es ähnlich. Vielleicht sollte sie eine Selbsthilfegruppe aufsuchen?“
„Ich werde mit ihr darüber sprechen.“
Der Fahrstuhl bringt die beiden Freunde in den Plazabereich des Technologiezentrums der Stadt. Hoch oben über der Unterstadt blickt Vaucanson nun auf das geschäftige Treiben der winzigen Figuren und Vekrons auf Schienen herab. Die Türme der Oberstadt sind mit gläsernen Rohren miteinander verbunden, auf welchen sich Straßen, kleinere Parkanlagen und Freizeitgeschäfte befinden. Vaucanson und Capek jedoch bleiben im Technologieturm, in welchen sich Capek jedoch umgehend von ihm verabschiedet. Sein Ziel ist Sektor 34/B, wo er zusammen mit Fließbandmaschinen an neuen Chips und Platinen für den Massenmarkt arbeitet. Vaucanson hofft darauf, als er ihn so hinterherschaut, das auch seine Technologie zur Energiegewinnung bald massentauglich sein wird.

 

 

 

 

 

 


- Energieproblem -

 

 

    Vaucanson starrt nachdenklich auf die Hologrammprojektionen an seinem Arbeitsplatz. Die mittlerweile hochstehende Sonne und die Stadt, eingetaucht in diesem beinahe schon friedlichen Licht, nimmt er kaum noch wahr. Die Konferenz verlief mehr als gut, denn es wurde dem Bau der ersten Alpha - Anlage zugestimmt. In zwei Stunden wird er sich mit dem Architekten treffen, doch bis dahin will er seine Berechnungen noch einmal überprüfen.
Er kennt die Formeln auswendig, aber dennoch liest er sie immer und immer wieder. Er will nicht versagen. Nein, er darf einfach nicht versagen. Im Notfall muss Energie her, um einen totalen Blackout zu vermeiden. Der letzte Blackout hat seinem Vater das Leben gekostet. Dieser Verlust schmerzt Vaucanson noch immer. Seine Mutter war mit ihm damals auf Reisen gewesen, deswegen hatten sie Glück. Aber sein Vater . . .


    Traurigkeit ist eine Emotion, die er niemals wirklich wird verstehen können. Warum trauert man, wenn man sich doch vielmehr auf das Wesentliche konzentrieren sollte? Und genau das versucht Vaucanson nun wieder. Die Formeln die er selbst entworfen hat bedeuten für seine Zivilisation nicht einfach nur Zahlen, Symbole und Zeichen. Nein, sie bedeuten eine gesicherte Existenz. Hätte er nicht diese Eingebung von den Hyperkomolotonen gehabt, welche ein statisches Energiefeld erzeugen, das in Zentrifugalkraft Nanotransmitter zur Spaltung von Flexibulstabilisatoren freisetzt, dann müssten sie auch heute noch Tausende oder gar Millionen Verluste miteinberechnen. Denn letztendlich sind es die gefürchteten schwarzen Stürme, welche über Monate hinweg die Fotovoltaikanlagen ad absurdum führen. Blackouts haben in vergangener Zeit schon ganze Siedlungen lahm gelegt. Das darf es einfach nicht mehr geben, denkt Vaucanson entschlossen und er wird wütend wenn er über die Verluste nachdenkt. Das ist so unnötig. Warum muss erst eine Existenz unerwartet oder gewaltsam beendet werden, damit man den Sinn des Lebens zu erkennen glaubt?
Vaucanson wird derzeit von einem Tohuwabohu an Emotionen heimgesucht. Angst, Trauer, Wut, Verzweiflung . . . Er empfindet allesamt als unnötig, doch waren es genau diese Emotionen die für ihn die Nächte zum Tag werden ließen, damit er das Alpha – Programm, die Lösung für all diese Probleme, entwickeln konnte.

 

 

 

 

 


- Die Ahnen -

 


„Herr Uncul'i!“ Vaucanson steigt über den felsigen Boden hinweg und streckt dem Architekten seine Hand entgegen.
„Nennen sie mich Hom.“ Der Architekt lächelt und zerdrückt mit seiner Kraft beinahe seine Hand. „Es ist gut das sie gleich vorbeigekommen sind, denn wir haben die ideale Baufläche für die Alpha – Anlage gefunden. Hier können wir den Boden mit Steinplatten ebnen und mit herausgelaserten Felsgesteinen die Wände und Türme hochziehen.“
„Sie verwenden Gestein? Warum denn kein Beton?“ Vaucanson ist sichtlich verwundert.
„Kommen sie mal mit.“ Hom stolpert unbeholfen an zwei wuchtigen Baumaschinen vorbei einen kleinen Felshang entlang. Vaucanson hat große Mühe ihm zu folgen. Der Weg ist mühsam bei dem ganzen Schotter. Zu mühsam für seinen Geschmack, doch schon bald weiß er welches Ziel Hom ansteuert. In einer Talsenke kann er sie sehen. Die Ruinenstadt einer vergangenen Zivilisation.
„Sehen sie was von Beton übrig bleibt?“ fragt Hom. „Nicht viel. Die Städte verrotten vor sich hin und die Natur, in diesem Fall karges Gestein und Schotter, erobert sich das Terrain zurück. Anders sieht es mit Stein aus.“
„Unsere Vorfahren waren primitiv, aber wenn ich mir diese gigantischen Städte so anschaue, kann ich mir kaum vorstellen wie sie dazu fähig sein konnten.“ Er blickt auf die Skelettruinen einer Stadt der Altvorderen herab. Ihre Städte waren groß und es gab auf der ganzen Welt eine globale Verkehrsverbindung und einen stetigen Handel mit Gütern. Aber dennoch waren sie einfältig, weil sie sich selbst vernichteten. Sie bauten Waffen, welche deren gesamte Zivilisation auslöschte und die Erde heute beinahe unbewohnbar gemacht hat.
    „Ich denke nicht das unsere Vorfahren wirklich so primitiv waren. Sie mögen vielleicht das Gleiche von ihren eigenen Vorfahren und Ahnen gedacht haben, aber ich glaube das sie es einfach nicht besser wussten“, meint Hom. „Sie haben uns diese schreckliche Welt hinterlassen, und das ist ihr einziger Fehler. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass wir ohne sie niemals existieren würden.“
„Ja, dass mag sein.“
    „Das mag nicht sein, dass ist so.“ Hom lacht. „Wir sind jedoch nicht so verblendet, anders als unsere Vorfahren als sie auf Stonehenge und die Pyramiden blickten, um das nicht anzuerkennen.“
Vaucanson hat sich noch nie intensiv mit der alten Zivilisation beschäftigt. Warum auch, umfasst sein Themengebiet doch vielmehr die Mathematik, Physik und die Sorge um die Zukunft. Sie müssen im Hier und Jetzt sehen wie sie mit den Schwierigkeiten umgehen und Probleme lösen. Sein Vater wollte das er diese Aufgaben übernimmt, deswegen sind Mathematik und Physik seine primären Fähigkeiten.
„Aber eine Sache ist dennoch interessant.“
„Welche?“ harkt Vaucanson müde nach.
    „Ihr Glaube.“ Hom's Blick hält ihn gefangen als er sagt: „Sie glaubten an einen Weltenerschaffer, an einen Messias, sowie an Wesen jenseits des festen Körpers. Viele Jahrtausende lebten sie mit diesen Vorstellungen und Traditionen.“
„Darin gibt es keine Logik.“
„Unsere Vorfahren lebten auch nicht allein durch die Logik, sondern mit ihren Gefühlen.“
„Das kenne ich“, gibt Vaucanson leise zu. Er weiß wie es ist, wenn Gefühle die Herrschaft über die logischen Gedanken übernehmen. Er hat das heute schon einmal erlebt und am liebsten wäre er dafür das Gefühle abgeschafft werden, so wie es die Partei der Analytiker fordert.
„Gefühle sind nützlich, auch wenn sie der Logik stets widersprechen, aber Gefühle erschaffen Kunst. Ich baue Objekte und beteilige mich somit auch an der kostbaren Kreativität. Die Alpha – Anlage wird nicht nur praktisch sein, sondern auch schön aussehen.“
    „Aber darum geht es nicht.“ Es geht um Energiegewinnung und das Überleben, denkt er grimmig.
„Doch darum sollte es gehen. Sieh dir dieses verrottete Gebäude da unten an. Es war einmal ein Krankenhaus, haben Archäologen bei ihrer Expedition letztes Jahr festgestellt. Das war sogar in den Nachrichten“, fügt Hom schnell hinzu. „Es wurde jedoch nicht nur praktisch errichtet, sondern in einer wunderschönen symmetrischen Form. Die Grundrisse kannst du noch deutlich erkennen.“
Vaucanson versucht vergeblich in dem Chaos der verrosteten Ruinenskelette unter seinen Füßen irgend eine Ordnung zu erkennen. Doch diese Gabe obliegt wohl nur Architekten, so glaubt er.
„Die Schönheit ist ein Teil dieser Welt. Oder zumindest war sie das mal. Lange bevor unsere Ahnen alles vernichtet und zerstört haben.“
    „Wenn sie die Schönheit liebten, warum waren sie dann so grausam und zerstörerisch?“
„Das sind Widersprüche, welche die Forscher auch heute noch zu enträtseln versuchen.“
„Wie dem auch sei, ich will nur das mit der Anlage alles klappt. Wenn die Apparate installiert werden und das Netz zu Rostadt, als erster Feldversuch überhaupt, verlegt wird und alles erfolgreich läuft, dann können wir diese Anlagen in andere Siedlungen und Städte expandieren.“
„Das wäre die Hoffnung und Rettung“, bestätigt Hom mit heiterer Stimme. „Aber dennoch gibt es auf der Welt noch andere Dinge die es zu bewahren gilt.“

 

 

 

 

 


- Golem Bar -

 


    Ein harter Arbeitstag liegt hinter ihm. Es wurde viel beschlossen und in die Wege geleitet. Vaucanson hat ein gutes Gefühl. Dieses trübt sich jedoch wieder als er an sein zu Hause, seine traurige Frau und seinen rebellischen Sohn zu denken beginnt. Mürrisch schaut er sich in der Bar um.
Es ist düster und einige Lichter flackern direkt über der Theke. Sie müssten einmal ausgetauscht werden, genau wie sein interner Wecker, den er vor den nächsten Morgen endlich einmal reparieren sollte. Doch man kommt einfach zu nichts mehr. Die Atmosphäre in der Bar gefällt ihm. Es dudelt leise Musik aus einer digitalen Box, Holoprojektoren zwischen den Tischen zeigen die neusten Nachrichten und die Kellner rollen eifrig von Tisch zu Tisch, um die Bestellungen aufzunehmen. Sie sind stets freundlich, aber für seinen Geschmack manchmal ein bisschen aufdringlich. Ihre Rechte sind beschränkt, aber dennoch gibt es bereits Verhandlungen ihnen mehr Freiraum und auch, was besonders kostbar ist heutzutage, mehr Persönlichkeit zu gewähren.
    „N'abend Vauc. Willst du wieder das Übliche?“ Der Barkeeper lehnt seinen wuchtigen Körper auf die kupferfarbene Theke, so dass sie bereits unter seinem Gewicht zu knarzen beginnt. Hinter dem Barkeeper türmen sich eiserne Fässer auf, welche Vaucanson allesamt in Augenschein nimmt.
„Ja, aber diesmal etwas dünnflüssiger heute.“
„Hast du wieder viel Stress, du alter Weltenretter?“ lacht er und dreht sich zu den Fässern um.
„Immer, Lem. Aber das wird sich bald legen, wenn mein Projekt gebaut wird.“
„Ist es diese unerschöpfliche Energie, von der du immer gesprochen hast?“ Lem dreht einen Hahn auf und kurz darauf fließt eine glänzend – schwarze Flüssigkeit in den Krug.
    „Du wirst dich noch wundern. Vor allem wenn du in der Zeit der Dunkelheit und Stürme mit Energie versorgt sein wirst, ohne das du gleich fluchtartig die Stadt verlassen und in Notcamps umsiedeln musst.“
„Das klingt für mich nach Utopie.“ Lem knallt ihm lauthals den Krug auf die Theke.
Vaucanson schaut kurz hinein. „Lange wirst du das Zeug nicht mehr verkaufen können.“
    „Das sind auch mitunter die letzten Reserven. Hab sie einem fahrenden Händler abgekauft. Der Typ hat echt Wucherpreise dafür verlangt, aber verübeln kann ich's ihm nicht.“
„Ja, weil ich dir dafür jetzt nun Wucherpreise bezahlen werde“, lacht Vaucanson.
„Du kannst es dir doch leisten.“
„Ja, meine Frau will schon lange das wir umziehen. Vielleicht in ein Haus?“
„Ich könnte niemals weg aus der Stadt.“
„Ich eigentlich auch nicht. Mir gefällt die Stadt, aber ich habe eine Familie.“
    Lem mustert ihn mit eingefrorener Miene. „Du bist zwar reich, hast eine beispiellose Intelligenz und noch dazu gerade unseren Arsch gerettet, aber tauschen möchte ich nicht gerne mit dir.“
„Wir haben alle unsere Lasten zu tragen.“ Vaucanson leert den Krug mit einem Zug, knallt ihn nun ebenfalls auf die Theke und fügt hinzu: „Man hat es eben nicht leicht . . . als Roboter.“

 

 

 

- Ende -


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Kurzgeschichten Sci-Fi


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Als die Menschen ausstarben

 

 

 

6. . . . für Menschen unbewohnbar

 

 


       Bedacht scheint die silberfarbene Mondsichel auf das helle Gebäude. Die Sterne funkeln und eine Sternschnuppe zischt mit ihrem leuchtenden Schweif über das Firmament des Nachthimmels. Einen Augenaufschlag später ist sie bereits wieder erloschen. Die Nacht hier draußen ist sehr laut. Man hört eine Schlange zischen und selbst ein kleiner, schwarzer Skorpion ist nicht gerade leise als er im bereits abgekühlten Sand nach Nahrung zu suchen beginnt. Beinahe schon friedlich liegt das Gebäude mit den Glasfenstern hinter den Dünen auf einer felsigen Erhöhung. Zerbrochen, aber noch als solche erkennbar, liegen gigantische Satellitenschüsseln im grobkörnigen Sand vergraben. Ein Stacheldrahtzaun, welcher einst neugierige Besucher fernhalten sollte, ist schon seit vielen Jahren umgefallen und derart verrostet das man ihn kaum anfassen kann. Metallskelette von kleineren Fahrzeugen stehen hier überall herum und auf dem Dach des Gebäudes befinden sich noch intakte Fotovoltaik- Platten, sowie Antennen und weitere zerbrochene Sat- Schüsseln.
       Im Innern des Gebäudes wandert ein kleines Licht umher. Es stammt von Rodi, welcher sich aus vertrocknetem Geäst und Leinenfetzen eine Fackel gebastelt hat. Er führt nun, immer sorgsam das Licht in seiner gesunden Hand haltend, seine Freunde durch weiße und kahle Gänge. In einigen Räumen die vom Flurgang abzweigen können sie merkwürdige Gerätschaften ausmachen, deren Nutzen und Bedeutung ihnen vollkommen fremd sind. Das Gebäude an sich ist noch relativ gut erhalten, stellt Miko verwundert fest. Dennoch sind einige Scheiben der verglasten Fassade zersprungen oder fehlen komplett. Die Räumlichkeiten im Innern jedoch sind in einem guten Zustand und nicht so leer und ausgehöhlt wie die Skelettruinen in den großen Betonstädten. In den Räumen befinden Tische, auf welche merkwürdige Apparaturen platziert sind, sowie große Schränke mit Schaltern, Kabel und vielen Knöpfen. In einem anderen Raum sieht er eine große Apparatur isoliert hinter einer Glaswand stehen. Als Miko das so betrachtet, beginnt er sich zu fragen warum ein einziger Raum nur für diese Apparatur gebaut worden ist. Er fühlt sich bei diesem Anblick ein wenig an das Kinderzimmer (und Miko vermutet immer noch das es mal ein solches war) erinnert. In einigen Schränken sieht er nun weiße, jedoch recht verstaubte Kleidungsstücke hängen. Überhaupt scheint hier alles weiß zu.
       „Ein . . . merkwürdiger . . . Ort“, keucht Fynn erschöpft.
„Hier kann man auf jeden Fall prima Unterschlupf finden.“ Rodi mustert Fynn besorgt.
„Ich weiß nicht. Dieser Ort ist mir irgendwie unheimlich.“ Ysa schaut sich nervös um.
Mikos Ohr zuckt plötzlich als er einen schrillen Klang vernimmt. Er fährt herum und hört nicht nur ein leises Rascheln jenseits der Schränke, er kann die kleinen Mäuse auch kurz erkennen. Mäuse hat er in seinem Leben nicht oft gesehen, aber er weiß das sie ungefährlich sind. Sie sind ja auch sehr klein und besitzen nicht so einen Riesenwuchs wie die Dunkelratten. Miko findet sie manchmal sogar recht niedlich. Er muss plötzlich über seine eigenen Gedanken schmunzeln. Doch seine gute Laune vergeht sofort wieder als er Fynn's Zustand bemerkt.
Fynn ist schwach. Sehr schwach und auch recht ausgemergelt im Gesicht. Selbst im gelbfarbenen Schein der Fackel wirkt Fynn's Gesicht aschfahl. Seine tiefen Augenringe, dass mühsame Japsen nach Luft und auch die Tatsache das er sich kaum noch auf den Beinen halten kann, machen Miko Angst. Dabei ist es ihm gestern doch noch so gut gegangen, denkt er traurig.

 

 

 

 

 


        „Da vorne könnten wir endlich Glück haben.“ Rodi deutet auf eine halboffene Tür am Ende des Ganges, kurz bevor der Flur einen Knick macht und tiefer in das Gebäude hinein führt. Ein langer Stab, um welchen sich zwei Schlangen wickeln, hängt als Symbol neben der Tür. Die Menschen damals müssen wohl Schlangen sehr gemocht haben, vermutet Miko. Er weiß jedoch, genau wie Rodi, dass man mit etwas Glück in der Nähe solcher Zeichen sehr oft Verbandszeug finden kann. Rodi hat wohl von Anfang an, kaum das sie das Gebäude betreten haben, wegen Fynn nach einem solchen Ort gesucht.
        Vorsichtig drückt Ysa die Tür nach hinten und gibt somit den Blick auf viele verstaubte Bettlager frei, die recht bequem aussehen. „Das Schlangenzeichen, die Lager . . . Das hier war einmal eine Krankenstation“, stellt Ysa aufgeregt fest.
      Fynn lässt sich schwer atmend auf eines dieser Lager nieder und berührt seinen Brustkorb. Sein Gesicht ist derart verkrampft, dass Miko seinen leidvollen Anblick kaum ertragen kann.
„Fynn. . . .“ In Rodi’s Augen spiegelt sich eine tiefe Trauer wieder.
„Alles . . . in . . . Ordnung“, keucht er erschöpft. „Es . . . ist nur wieder ein Schwächeanfall.“ Mühsam hebt er seinen Kopf, um Rodi ein Lächeln zu schenken, welches ihn sehr viel Kraft kostet.
Ysa legt ihr Bündel ab, hockt sich auf den Boden daneben und beginnt darin nervös nach ihrer Wasserflasche zu suchen. Sie wird schnell fündig, aber die Flasche ist nur noch bis zur Hälfte gefüllt. Die Sorge um neues Wasser haben sie bisher gut zu verdrängen gewusst, und auch jetzt in diesem Moment versucht Miko nicht daran zu denken.
      „Hier.“
Miko nimmt Rodi schnell die Fackel ab, damit er Ysa's Wasservorrat entgegen nehmen kann. Rodi hat im Moment jedoch keinen Kopf für Höflichkeiten. Er ignoriert sowohl Ysa als auch Miko als er sich um Fynn zu kümmern beginnt. Er hockt sich vor das Bettlager und setzt die Flasche an Fynn's Mund. „Hier, trink! Aber nur ganz langsam und in kleinen Schlücken.“
        Fynn trinkt gehorsam, aber auch diese Aktion fällt ihm sichtlich schwer.
„Mach . . . dir . . . keine Sorgen um mich.“ Fynn schaut auf und legt ganz sanft eine Hand auf sein Knie, um Rodi mit dieser Geste ein wenig Trost zu spenden. Rodi's Blick jedoch bleibt besorgt und Miko glaubt im Schein der Fackel gar Tränen in seinen Augen erkennen zu können.
„Er sollte vielleicht etwas schlafen“, schlägt Ysa vor.
„Das ist eine gute Idee. Ich bleibe bei ihm. Ihr könnt euch hier noch etwas umsehen. Vielleicht findet ihr etwas Nützliches für Fynn?“
„Sollen wir euch die Fackel hier lassen?“

 

 

 

 

 

 


        Rodi schüttelt den Kopf und deutet kurz auf das Fenster. Erst jetzt bemerkt Miko das man die Sterne und den Mond sehen kann. Es ist jedoch der Schein der Fackel, welcher alles überstrahlt.
Ysa nickt und entfernt sich zusammen mit Miko. Sie wissen beide das Rodi mit Fynn alleine sein möchte. Fynn braucht jemanden (jetzt mehr als jemals zuvor) der an seiner Seite ist. Miko bricht seine weiteren, recht traurig werdenden Gedanken ab und versucht sich stattdessen auf das Gebäude zu konzentrieren.
Es ist von innen größer als von außen, so kommt es Miko so langsam vor. Die Gänge sind schmal und sehr verwirrend. Als Mikos Fackel zersplitterte Fotorahmen beleuchtet, bleibt er kurz stehen. Neben den leeren Rahmen hängen Metallplatten mit merkwürdigen Schriftzeichen. Miko kann nicht lesen, Ysa hingegen schon. Sie tritt an seine Seite und versucht im flackernden Schein etwas zu erkennen.
        „Das ist die Sprache einer längst ausgestorbenen Zivilisation“, sagt sie. „Ich kann sie leider nicht entziffern.“
Währenddessen Miko weiter die Umgebung erkundet, erzählt Ysa etwas über die alte Zivilisation. Zumindest das was sie noch weiß und in Erfahrung bringen konnte. Es gab einmal recht viele Menschen und sie lebten auf der ganzen Welt zusammen. Es gab keine Territorien oder Nomaden. Sie wurden scheinbar sehr alt, denn es muss sehr lange gedauert haben so riesige Häuser zu bauen. Ysa's Geplauder hilft Miko beinahe die Sorge um Fynn zu vergessen. Aber nicht nur um Fynn, denn der schwindende Wasservorrat bereitet ihm schon lange ein großes Unbehagen. Woher sollen sie Wasser nehmen, wenn alle Flaschen leer und der letzte Tropfen getrunken ist? Kaum zu Ende gedacht, läuft er beinahe in eine massive Tür hinein. Er hält inne, bekommt jedoch einen unschönen Hackentritt von Ysa.
       „Tut mir leid.“
Mit Blick über seine Schulter fällt ihm auf das er gar nicht mitbekommen hat das sie nun hinter ihm läuft. Die massive Stahltür jedoch macht ihn irgendwie neugierig. Sie ist beinahe bedrohlich und die vielen Hebel und Gewinde davor erscheinen ihm so, als wollen sie ihn warnen die Tür nicht zu öffnen. Würde Miko doch nur auf sein Gefühl achten . . .
Seine Neugierde siegt, doch Ysa ist schneller.
       „Was ist das für ein Raum?“ fragt sie und dreht an den Windungen, zieht die Hebel zurück und öffnet somit mühsam die Tür. Miko muss ein wenig nachhelfen, doch ganz bekommen sie dieses schwere Ding nicht auf. Der Spalt jedoch genügt, damit sie beide hindurch huschen können.
        Der Fackelschein beleuchtet einen verwüsteten Raum, in welchen allerlei Gerümpel herum liegt. Es scheint beinahe so als wäre hier in großer Eile alles fluchtartig verlassen worden. Tische und Stühle sind umgeworfen. Sie rosten vor sich hin, währenddessen an den Wänden schon die weiße Farbe, mitsamt der Tapete abperlt. Dahinter verbirgt sich nackter Beton. Ein alt bekanntes Bild für Miko. Er beginnt sich nun zu fragen ob es in den Flurgängen auch schon so gewesen ist. Doch gigantische, schwarze Glasflächen an den Wänden unterbrechen seine Gedankengänge. Sie sind sehr matt und anders als Glas spiegelt sich nichts in ihnen. Miko hat in den letzten verbliebenen Müllbergen jenseits seiner alten Stadt schon oft solche schwarzen und gebogenen Flächen gesehen, in denen sich kaum etwas widerspiegelt. Verstanden hat er deren Sinn jedoch nicht.

 

 

 

 

 

 


          Es liegen hier überall Gerätschaften herum, sowie Papier, Kabel, lauter kleine Sticks und runde, bunt glänzende Scheiben. Mit der Fackel in der Hand geht Miko zu einer auffallenden Platte an der Wand. Er hat sie schon oft in der Stadt gesehen und manchmal (aber sehr sehr selten, so dass er es nur einmal beobachten konnte) gehen verschlossene Türen damit auf, wenn man die Hand darauf legt. Miko versucht sein Glück, doch es geschieht nichts.
       „Versuch es doch mal mit Fynn's Methode“, schmunzelt sie.
Miko versteht nicht, doch plötzlich beginnt er sich daran zu erinnern wie Fynn vor einiger Zeit mit seiner Faust auf die Panzerarmatur gehämmert hat. Miko tut es ihm gleich und kurz darauf beginnt sich nun der Raum derart hell zu erleuchten, dass Mikos Augen anfangen zu tränen. Nicht alle Lichtquellen sind angesprungen, aber Miko wird nun bewusst das seine Fackel nun unbrauchbar geworden ist. Er klemmt sie zwischen zwei Apparaturen auf einem Tisch, überprüft kurz ob sie hält und wendet sich dann suchend zu Ysa um.
      Diese starrt fasziniert auf die Monitore. Ein seltsames Logo, deren Bedeutung Miko nicht versteht, ist nun beinahe auf allen Wänden zu sehen. Die matt - schwarzen Glasscheiben sind lebendig, ähnlich der Armatur im Panzer.
Ysa ist sehr aufgeregt als sie all das sieht. „In dem Gefährt letztens gab es auch so ähnliche Dinger.“ Sie berührt neugierig einen der großen Bildschirme und urplötzlich verändert sich das Bild. Miko eilt zu ihr und stellt sich an ihre Seite. Was ist das nur, fragt er sich nervös.
      Mehrere Symbole erscheinen auf der Glasfläche. Symbole mit denen sie nichts anfangen können, doch Ysa drückt einfach auf das Symbol unten links – das Einzige das sie aufgrund ihrer Körpergröße erreichen kann.
Das Bild verändert sich wieder und ein Mann ist plötzlich überall zu sehen. Miko und Ysa können kaum mehr atmen als sie in sein Antlitz blicken. Er hat keinerlei Missbildungen und seine Haut ist so rein. Ein Stoppelbart ziert Mund und Kinn und zwei große, blaue Augen hinter kleinen Glasscheiben, schauen sie freundlich an. Sein Kopf ist voll mit glänzenden, fülligen Haaren. Er hat unsagbar kräftige Arme und einen ungewöhnlichen, dicken Bauch. Miko ist jedoch von seinen hellen Zähnen fasziniert. Sie leuchten beinahe so weiß wie das Gebäude selbst . . . Das muss ein fremdes, vielleicht sogar auch ein höheres Wesen sein, denkt sich Miko ehrfürchtig. Ein Mensch kann niemals so aussehen. Niemals! Und dennoch ist es einer. Mit offenen Mündern starren sie auf diese seltsame Erscheinung, welche nun pausenlos und mit einer tiefen Stimme zu erzählen beginnt. Es sind jedoch Worte, die Miko und Ysa nicht verstehen.
      Hinter diesem faszinierenden Wesen . . . hinter dem Mensch, korrigiert Miko schnell seine Gedanken, erscheint auf einmal ein blauer Ball mit vielen weißen Wolken drauf. Fremde Schriftzeichen erscheinen pausenlos. „Die Sprache der alten Zivilisation“, flüstert Ysa. „Sie ist schwer zu lesen, weil es keine Bildzeichen sind.“

 

 

 

 

 


        Miko kann sich kaum auf ihre Worte konzentrieren, denn all das was auf den Wänden vor ihnen erscheint, läuft so wahnsinnig schnell ab. Der komische Mann sieht auf einmal besorgt aus und er zeigt mit einem Stock auf den Ball.
Plötzlich verschwindet der Mann, zusammen mit dem blauen Ball, urplötzlich. Ein Mann in einem weißen Kittel erscheint stattdessen und deutet auf eine Ansammlung kleiner Kügelchen in einem Haufen. Als ein kleines Kügelchen auf den Kugelhaufen zu rast, trennt sich die bunte Kugelsammlung geschlossen und viele kleine Kügelchen lösen sich davon. Kurz darauf wird es blendend hell. Unzählige Kugelgruppen schwirren durch die Gegend mit kleinen, grellen Feuerstrahlen. Miko versteht nicht was dort alles geschieht, doch kurz darauf kann er auf der Glaswand eine riesige Wolke sehen. Diese Wolke ist nicht minder unheimlich wie die Wolke mit dem sauren Regen draußen jenseits der Dünenwüste. Wie mehrere Hüte stapeln sich die Wolken übereinander, ehe ein langer Stiel und ein großer und sehr mächtiger Wolkenhut sich in den Himmel erhebt. Unter dieser furchterregenden Erscheinung brodelt alles, die Erde erbebt, ein Feuer steigt auf und plötzlich wird es blendend hell. Miko und Ysa kneifen sofort ihre Augen zu.
     Als er sie wieder öffnet, sieht er entsetzt mit an wie alles in der Umgebung dieser Detonation zu Asche zerfällt. Es wird weiß in dieser einst roten Wüstenlandschaft. Kurz darauf erblickt Miko etwas Vertrautes, welches sein Herz schneller schlagen lässt. Er blickt auf ein zerstörtes und verseuchtes Gebiet. Sand wird zu Glas, die Häuser sind nur noch Trümmer und alles ist voll von Staub und einer gefährlichen Luft, welche man nicht atmen darf. Ysa und Miko schauen sich entsetzt an. Doch es geht noch weiter. Sie sehen Gebäude, welche viele zisternenartige Bauten besitzen, aus denen grauer Rauch empor steigt. Miko weiß im Moment nicht was faszinierender ist. Das bedrohliche Gebäude mit den rauchenden Hälsen oder diese üppige Landschaft mit den grünen Berghängen, den Blumen und den Bäumen – alles Dinge, die er noch nie zuvor gesehen hat. Miko schnüffelt und stellt sich beinahe schon deren wundervolle Düfte vor. Friedliche Kreaturen fliegen über das Grün, sowie über das bedrohlich qualmende Gebäude mit den vielen Türmen hinweg. Am Himmel ziehen weiße Wolken entlang und das einzig Unschöne an diesen Aufnahmen sind die finsteren Rauchsäulen.

 

 

 

 

 

 


       Mikos Atem stockt bei all den Eindrücken, die so plötzlich auf ihn einbrechen. Gibt es auf dieser Welt tatsächlich einen Ort der so schön und so lebendig ist, fragt er sich aufgeregt. Mit Blick auf Ysa wird ihm bewusst, dass sie das Gleiche denken muss. Kurz darauf sieht er eine lebendige Stadt mit hohen Häusern, die bei Nacht taghell erleuchtet sind. Alles ist beleuchtet, auch die Wege und unzählige Fahrzeuge, welche Miko bisher nur als ausgebrannte Wracks kannte. Diesmal jedoch fahren sie emsig durch die Gegend. Mikos Mund steht weit offen als er die einstige Behausung von Fynn und Rodi in vielfacher Ausführung durch die Lüfte fliegen sieht.
     In der Stadt ist viel los und es ist laut. So viele Menschen hat Miko noch nie gesehen. Es grenzt beinahe an ein Wunder das sie sich nicht alle über den Haufen rennen, staunt Miko. Doch stattdessen laufen sie in Reih' und Glied ganz brav auf ihren unsichtbaren, jedoch scheinbar vorgefertigten Wegen. Diese Menschen sind gesund und sie essen. Überall wo sie sich gerade befinden essen sie irgend etwas. An nahezu jeder Ecke der Stadt gibt es einen Ort, wo die Menschen Nahrung zu sich nehmen können. Auch Wasser ist in großen Mengen vorhanden. Woher stammt all das ganze Essen, fragt sich Miko fassungslos. Zusammen mit Ysa, die nun Tränen in den Augen hat, sieht er die Antwort: Massen von Tieren werden zusammengepfercht, geschlagen und zum Töten abtransportiert. Hübsche Tiere mit großen Augen, interessantem Fell oder gar Federn werden eng zusammengedrängt und gefüttert, um dann irgendwann getötet zu werden. Die Menschen hingegen lachen vergnügt, trinken und essen viel. Manch einer wirft sogar etwas davon weg!
     Entsetzt starrt Miko auf eine Stadt, in welcher Menschen in Fahrzeuge steigen und durch die Straßen fahren, sich unterhalten oder streiten und sich mit etwas bewerfen. In dieser Masse gibt es große und kleine Menschen, dicke sogar und auch dünne. Ja, sogar Menschen die gebeugt laufen, sich auf rollende Wagen stützen und Falten haben. Sie müssen unvorstellbar alt sein, schlussfolgert Miko. Er wird verbittert, wenn er all das sieht. Überall sind Menschen und sie essen und machen komische Sachen, die Miko nicht versteht. Ysa weint leise.

„Wenn das der perfekte Ort zum Leben ist, will ich ihn gar nicht finden“, schluchzt sie. Miko nimmt ihre Hand und drückt sie ganz sanft.
    Das Bild schwenkt um und zeigt die Stadt von oben. Nach einem gewaltigen Zoom aus dem Bild folgen ebenso große, besiedelte Landstriche mit grünen Einsprenkelungen und dann kommt das Wasser. Soviel Wasser hat Miko noch nie zuvor gesehen! Die Landstriche wirken nun im Vergleich zum Wasser sehr klein. Plötzlich wird alles winzig und dann erscheinen Wolken und kurz darauf kommt der blaue Ball wieder. Auf ihn sind noch immer diese großen, grünen Flächen und das viele Wasser zu erkennen.

   Der stoppelbärtige Mann mit den Gläsern auf der Nase (keine Seltenheit wie Miko eben in dieser schrecklichen Welt gesehen hat) erscheint wieder und er deutet mit seinem Stock auf das Bild einer überladenen Stadt und wenige Augenblicke später wieder auf den Ball, welcher von einem großen, leuchtenden Feuerball erhellt wird. Miko kommt schnell darauf das die Sonne gemeint ist, die er tagtäglich fürchtet. Um den blauen Ball herum flimmert hauchdünn eine Schicht, an welcher die Sonnenstrahlen abprallen, doch an einem Ort hat diese Schicht eine Öffnung und die altbekannten Strahlen der Sonne dringen ungehindert durch und verbrennen den Grund und Boden darunter. Miko kennt dieses Bild aus der Wüste, welche seine alte Stadt umschließt. Ist dort etwa auch so ein Loch am Himmel, fragt sich Miko entsetzt. Kurz darauf sehen sie komisches weißes Zeug im Wasser, dass durch die Sonnenstrahlung schmilzt und zerfließt. Große Tiere mit einem dicken, weißen Fell und schwarzen Knopfaugen finden darauf keinen Halt mehr.

 

 

 

 


      Ein Schild mit einem gelben Blitz erscheint. Ein Zeichen, dass Miko schon oft in der Stadt gesehen hat. Danach sehen sie gigantische Räder, vom Wind angetrieben. Ebensolche drehen sich auch unter Wasser, in diesem kostbaren Nass. Kurz darauf erscheinen schwere Maschinen, die mit einem gewaltigen Lärm schwarze Steine anheben.
     Der Mann blickt wieder besorgt und deutet auf den Weltenball. Auf diesen brechen plötzlich schreckliche Stürme aus, Wasser überschwemmt ganze Landstriche und grüne Wälder trocknen aus. Ein heftiger Krieg um Ressourcen beginnt und Panzer überrollen Städte. Bemannte und unbemannte Flugzeuge schwirren umher, zerbomben alles – auch die Gebäude mit den rauchenden Zisternen. Menschen kommen in gigantischen Explosionen um, einige von ihnen werden einfach so zerfetzt und fortgerissen. Zurück bleibt oft eine karge Landschaft in welcher alles Leben erlischt, welches sich länger dort aufhält. Die grünen Landstriche verdorren, Seen und Flüsse trocknen nun gänzlich aus und das Loch im Himmel wird immer größer. Es wird heißer und an manchen Orten befindet sich nur noch Staub in der Luft. Großflächige Wüsten entstehen und nach und nach verwandelt sich das Bild zu dem, was sie heute kennen und mit einem Blick aus dem Fenster sehen können.
     Fassungslos und Entsetzt starren Miko und Ysa auf die bildgewaltige Glasscheibe an der Wand. Doch der Weltenball wird wieder blau und schön. Dennoch blickt sie der Mann hinter seinen Augengläsern traurig an und sagt etwas, was sie nicht verstehen können. Ganz gleich was es auch ist, aber für Miko klingt es nach einer Warnung. Kurz darauf ist alles wieder still und die vielen Symbole kehren zurück.
    Ysa schweigt betroffen und noch immer hat sie Tränen in den Augen. Die Menschen haben es wohl schon lange vorher gewusst was geschehen wird und sie haben es ignoriert, denkt Miko fassungslos. Alles was sie getan haben hat es nur noch weiter verschlimmert. Die Menschen jedoch lachten nur und gingen ihren täglichen Vergnügungen nach. Das Resultat ist nun eine verbrannte, öde und menschenfeindliche Welt. Miko schaut betroffen zu Ysa, die nun zu Boden sinkt und zu weinen beginnen. „Es gibt keinen Ort mehr, an dem man noch schön leben kann. Diese Welt ist für Menschen unbewohnbar“, wimmert sie.
     Miko hockt sich neben ihr und nimmt sie fest in den Arm. Auch sein Herz ist gebrochen. Eine sehr lange Zeit sitzen sie noch so da, verzweifelt und weinend. Es sind zwei Kinder, die keine Hoffnung auf ein besseres Leben mehr haben.

 

     Als sie später zu Fynn und Rodi zurückkehren, stehen sie einer weiteren entsetzlichen Tatsache gegenüber: Fynn ist gestorben.
Rodi befindet sich in einem Zustand, in welchen keine Geste und keine Worte mehr Trost spenden können. Zum Glück hat Fynn nichts von ihrer schrecklichen Entdeckung erfahren, denkt Miko bitter.

 

 

 

 

 

 


7. Die letzten Menschen

 


     Rodi hat Fynn’s Tod nicht verkraftet. Er hat kein Wort mehr gesprochen, nicht mal als Ysa vorschlug zum Dorf zurückzukehren. Auf dem Rückweg zum Dorf sind sie in der Stadt mit dem Spielplatz angekommen. Dort kletterte Rodi auf ein Betonskelett und stürzte sich in die Tiefe. Er war sofort tot. Sie hätten ihn nicht retten können, weil Miko und Ysa in dem Moment damit beschäftigt waren Proviant für die Rückkehr zu sammeln. Rodi wollte jedoch nicht gerettet werden, da ist sich Miko absolut sicher.
     Er schaut nun ausdruckslos auf seinen Leichnam herab. Seine Wirbelsäule ist durch den Sturz gebrochen und Blut benetzt seine Lippen.
„Jetzt sind sie wieder zusammen, jenseits der funkelnden Lichter“, kommt es leise über Ysa's Lippen. „Dort wird er auch seine Geschwister wiedersehen und alle, die ihn etwas bedeutet haben.“ Ysa hockt sich nieder und schließt ihm vorsichtig die Augen. Seitdem sie zusammen die Wahrheit über diese Welt erfahren haben, hat Ysa nie wieder gelächelt.

 

 

 

 

      Auf dem Rückweg haben sie das Kettenfahrzeug wiedergefunden. Miko weiß nicht wieso er es tat, aber er probierte einfach noch mal die „Fynn- Methode“ aus und schlug kräftig gegen die Armatur. Und wie durch ein Wunder ist das Gefährt wieder angesprungen. Sie sind sehr langsam vorangekommen, so dass Miko um den schwarzen Wasservorrat bangen musste. Doch am nächsten Tag war schon das Dorf in Sichtweite.

 

     Das was sie jetzt vor Augen haben ist jedoch ein entsetzlicher Anblick. Überall sind Fußspuren von großen Echsen. Sie haben die Zelte verwüstet, die Bewohner gefressen und die Zisterne umgeworfen. Alles ist zerstört und das Dorf ist zu einem weiteren verlassenen Ort auf dieser Welt geworden.
„Fynn hat Recht gehabt mit den Riesenechsen. Nun sind sie doch gekommen. Zum Glück ist er nicht durch sie gestorben.“ Ysa’s Miene ist gefroren.
    Die letzte Hoffnung vielleicht noch auf Menschen zu treffen ist Mikos Heimatstadt jenseits des Tals. Miko braucht nicht mehr mühsam zu gestikulieren, weil es nun Ysa ist die ihm wortlos folgt. Er klettert zusammen mit ihr in den Panzer zurück und fährt los. Größflächig umrundet er, geschützt vor den tödlichen Sonnenstrahlen, das Tal der Riesenechsen. Das Vehikel rollt auf dem Kettenzug mühsam durch den brennend heißen Wüstensand, ehe es gänzlich und diesmal für immer zum Stehen kommt. Ganz gleich was Miko und Ysa auch versuchen, aber der Panzer bleibt stumm und dunkel. Somit sind sie gezwungen den ganzen Tag in diesem stickigen und sehr heißen Panzer zu verweilen, wenn sie sich vor der tödlichen Sonne schützen wollen. Währenddessen Miko unter seinem Sitz die verwesten Tierkadaver ertastet, stellt Ysa fest das der Wasservorrat verbraucht ist. Sie versucht noch einige Tropfen Wasser aus den Flaschen heraus zu bekommen, doch ihre Mühen sind vergeblich. Resigniert gibt sie auf.
    „Jenseits der Sterne spielt Wasser keine Rolle“, sagt sie. „Ich will meine Mutter wiedersehen. Und ich will das du sie auch kennenlernst.“
Miko weiß was das bedeutet, weshalb er nun wieder behutsam ihre Hand festhält. Auf dieser Welt ist nichts mehr für ihn von Bedeutung. Einzig Ysa, und mit ihr möchte er überall hin gehen. Wie wohl der Ort jenseits der Sterne aussehen mag? Ob dort auch seine Mutter auf ihn wartet?
     Als es draußen dunkel wird, wagen sie sich aus dem Panzer und verbrennen sich beinahe an dem heißen Metall. Der Weg zurück zur Stadt ist beschwerlich und sehr lang. Nach einer gefühlten Ewigkeit haben sie die ersten Stahlruinen erreicht. Miko kennt sich hier bestens aus, was er jedoch nicht kennt ist diese Stille am Abend. Alles ist verlassen und leer. Einzig die Leichen sind noch da, welche zuvor in der tödlichen Sonne gebraten haben. Unter dem Mondlicht erkennt Miko viele bekannte Gesichter. Neben dem versiegten Wasserhahn sitzt noch immer der junge Mann mit dem fehlenden Arm. Seine Leiche ist verschmort und teilweise lugen die blanken Knochen unter seiner Haut hervor. Sein Blick ist noch immer mit Sehnsucht in die Ferne gerichtet.
     Es ist eine trügerische Sehnsucht, begleitet von Hoffnung die es nicht mehr gibt, denkt Miko bitter. Er sieht seine Heimatstadt nun mit anderen Augen. Dieser Ort ist ihm fremd geworden und er fühlt sich hier nicht wohl.

 

 

 

 

 

    Als es bereits zu Dämmern beginnt, nehmen Miko und Ysa neben der verrosteten Quelle Platz. Die Sonne wird jeden Augenblick aufgehen. Es wird wehtun, doch das spielt jetzt keine Rolle mehr. Miko hält Ysa‘s Hand und ihre Blicke begegnen sich.
    „Wenn wir sterben wird es dann nach uns noch weitere Menschen geben, oder sind wir die letzten Menschen?“ fragt Ysa, währenddessen am Horizont langsam die brennend heiße Sonne empor steigt.

 

 

 

~Ende~

 

 

Avi


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Als die Menschen ausstarben


 

 

5. Eine Reise ins Ungewisse

 


         Miko blickt auf die vielen Säcke und Beutel herab, in welche die Vorräte für die Reise verstaut sind. Vier Tage und Nächte lang haben sie einen beachtlichen Wasservorrat ansammeln können. In der Halbwüste hinter trockenen Pflanzen und Steinen hat Rodi Glasbehälter mit langen Hälsen gefunden. Sie sind wie dafür geschaffen, um Wasser darin aufzubewahren. Einige tote Schlangen und Ratten sind ebenfalls im Gepäck verstaut. Fynn hockt davor und sortiert diese sorgfältig. Miko schaut mit Fynn zusammen plötzlich auf als Ysa sich ihnen nähert. Sie trägt ihre Kiste mit den Echsen in den Händen. Wortlos schauen sie mit an wie Ysa ihre Eidechsen freilässt. Kaum hat sie die Kiste auf den Boden gestellt und zur Seite gekippt, huschen sie über den heißen Wüstensand.
        „Wir hätten diese kleinen Monster lieber töten sollen. Als Vorrat wären sie viel besser geeignet gewesen“, meint Fynn mürrisch. Doch Ysa lächelt nur. Sie weiß das Fynn vor jeder Art von Echse Angst hat. Als Miko Ysa's Gesicht mustert, fällt ihm jedoch auf das ihr der Abschied von den kleinen Kriechtieren eben nicht leicht gefallen ist. Ysa ist nett zu allen Geschöpfen, was Miko sehr an ihr bewundert. Er kennt nur das Prinzip von Fressen und Gefressen werden. Ein Prinzip, welches er in der Stadt gelernt hat und das ihm half so lange zu überleben. Freundlichkeit und Verantwortung anderen Menschen, und auch Tieren gegenüber hat er jedoch nur im Dorf, und vor allem durch Ysa kennengelernt. Es ist eine Eigenschaft die ihm sehr gefällt.

 

 

 

 

 


       Viele Tage der Vorbereitung liegen nun hinter ihnen. Fynn fühlt sich kräftig genug um aufzubrechen. Das ist auch der Grund, warum sie nun zu viert, Schulter an Schulter auf einer kleinen Düne stehen und hinaus auf die schier endlos erscheinende Halbwüste blicken, in welcher irgendwo die Asphaltstraße des Dorfes im Sand verläuft. Kaum ein Lüftchen weht hoch oben auf der Düne und die Sonne brennt heiß. Um sich vor ihr zu schützen haben sie sich Kopfbedeckungen gebastelt. Rodi hat Fynn’s kahlen Kopf mit Leinen, ähnlich eines Turbans, umwickelt. Er selbst trägt eine dünne Kapuze. Ysa's Kopf ziert ein Strohhut, welcher einst ihrer Mutter gehörte und Miko trägt ein Kopftuch. Beim Durchstöbern der leeren Dorfzelte hat er es entdeckt. Auf ihre Rücken tragen alle, bis auf Fynn, die Bündel mit Nahrung und Trinkwasser. Rodi übernimmt Fynn’s Last, da Fynn schon genug Probleme hat sein eigenes Körpergewicht durch die Wüste zu tragen.
       Von hier oben aus betrachtet liegt das Dorf seitlich in der Tiefe und sie können auf die gelbfarbenen Zelte herab schauen. Das Zeltlager mit dem Flugzeugwrack, der Asphaltstraße und der großen Zisterne, macht von hier oben aus einen friedlichen Eindruck. Aber auch das Tal der Riesenechsen mit den hohen, stacheligen Pflanzen können sie von hier aus erspähen und gut einsehen. Weiter hinten liegt die todbringende Wüste, an welche sich Miko nur sehr ungern erinnert.
       „Können wir endlich gehen?“ fragt Fynn mit einem angstvollen Blick auf das Tal der Riesenechsen.
„Ich denke wir sollten, die Sonne im Rücken, dort lang gehen.“ Rodi deutet mit seiner gesunden Hand in die Ferne. „Am Horizont sieht es so aus, als wenn dort Berge oder dunkle Steine wären. Dort finden wir Unterschlupf.“
Ysa nickt daraufhin mit angestrengtem Blick, weil sie von der grellen Sonne geblendet wird. „Gute Idee, Rodi. Na dann, auf geht’s.“

 

 

 

 

 

 

         Fröhlich erzählend laufen sie durch die Halbwüste. So erfährt Miko das Rodi einst viele Geschwister besessen hat. Sein Bruder, der genauso aussah und auch zur selben Zeit zur Welt kam wie er, starb durch eine Giftschlange und seine Schwester ist tödlich gestürzt als sie noch ganz klein war. Zu seiner Schwester hatte er keine enge Bindung, aber von seinem Bruder träumt er ab und an noch. Seine Familie hat hinter der großen Wüste gelebt, jenseits eines Gebirges aus messerscharfen, schwarzen Gestein. Von dort aus konnten sie in der Ferne Stürme von entsetzlichen Ausmaßen beobachten. Als Ysa neugierig nachfragt wo dieser Ort ist, erklärt er: „Wir sind in einer großen Gruppe über weite Täler, Berge und Dünen gezogen, bis wir dieses Dorf dort durch Zufall entdeckt hatten. Es war eine endlos lange Reise mit vielen Verlusten und wir kamen ungefähr von dort.“ Er deutet auf einen unbestimmten Punkt hinter ihnen in der Ferne, wo Miko nichts weiter als dürre Baumskelette ausmachen kann. „Dort gab es Felsen, Schutz und viele Menschen. Bis eine Krankheit ausgebrochen war und das Wasser versiegte.“
        „Ist das nicht immer der Grund, warum Menschen weiterziehen?“ fragt Fynn.
„Na wir haben jetzt einen anderen“, sagt Ysa mit einem aufheiternden Lächeln.
„Wir suchen nach etwas, dass es nicht gibt. Ich habe oft von Menschen gehört, die weitergezogen sind. Und was haben sie gefunden? Nichts.“ Fynn zieht seinen Turban zurecht. „Aber solange es heißt, dass wir von den Riesenechsen wegkommen, soll es mir immer noch recht sein.“
„Meine Mutter sagte immer zu mir, dass man ganz fest an etwas glauben soll, wenn man will, dass es in Erfüllung geht.“
        Ysa‘s Mutter muss sehr weise gewesen sein, denkt sich Miko. Er hat noch nie zuvor fest an etwas geglaubt.
„Ich bin mir sicher, dass wir zumindest einen besseren Ort als diese Halbwüste finden werden. Eine unerschöpfliche, unverseuchte Wasserquelle und genug Nahrung ist das Höchste, was man erwarten oder erhoffen kann.“ Rodi hat langsam die Führung übernommen und Fynn, Ysa und zuletzt Miko folgen ihm in die unbestimmte Ferne.
„Ich glaube das es irgendwo mehr zu finden gibt als das, Rodi.“
       Miko ist der Erste, welcher plötzlich Fynns schwerfälliges Atmen hört. Doch die anderen merken schnell das etwas mit ihm nicht stimmt. Fynn lahmt, prustet und bleibt letztendlich zurück.
„Alles in Ordnung mit dir? Sollen wir umkehren?“ fragt Rodi besorgt.
„So ein Quatsch! Mir geht es gut.“ Der Schweiß perlt jedoch beinahe wie ein Sturzbach von seinem Gesicht. Sein Mund ist geöffnet und Miko bekommt großes Mitleid, wenn er ihn so keuchen sieht. Das ist nicht einfach nur Erschöpfung, denkt er bitter.
        „Da hinten kann ich eine kleine Felsengruppe sehen. Dort können wir rasten.“ Ysa hält die Hand über ihre Augen, um mehr erkennen zu können.
„Wir haben uns doch kaum vom Dorf entfernt“, protestiert Fynn. „Ich . . . werde euch nur aufhalten.“
„Wir werden dich nicht zurücklassen. Auch wenn das bedeutet, dass wir viele Pausen einlegen werden.“ Rodi geht auf ihn zu und nimmt nun eine weitere Last auf sich, indem er Fynn behutsam stützt.
„Dann kommen wir aber sehr langsam voran“, presst Fynn mühsam hervor.

 

 

 

 

 

         Und so ist es in der Tat. Die ersten zwei Tage kommen sie kaum vorwärts. Noch immer sind die dunklen Gebirgsketten am Horizont in weiter Ferne. Die Vorräte verbrauchen sich zu schnell, so dass sie bald wieder auf Nahrungssuche gehen müssen. Fynn kostet auch sehr viel Wasser. Jeder weiß das, doch niemand spricht es aus.
      Am dritten Tag (die Sonne steht sehr hoch am Himmel) entdeckt Ysa etwas in den Weiten der Halbwüste. Es ist ein alter, verrosteter Panzer. Überall auf der Welt sieht man solche Vehikel. Selbst in der Stadt, erinnert sich Miko plötzlich. Manchmal fahren sie noch, wenn noch genügend schwarzes Wasser vorhanden ist. In der Stadt erzählte man sich oft, dass sich die Menschen einst darum gestritten haben. Das war zu einer Zeit als es noch viel mehr Erwachsene gab. Doch irgendwann wurde der Kampf um Nahrung und Trinkwasser wichtiger.
Ysa und Rodi untersuchen derweil neugierig das Gefährt. Währenddessen Ysa auslotet wie man dort rein kommt, interessiert sich Rodi viel mehr für die wuchtigen Ketten.
       „Das wird sich niemals fortbewegen. Wir sollten einfach weitergehen.“
„Wir könnten es zumindest versuchen“, drängelt Ysa.
„Wir haben schon genug Zeit verschwendet.“
        Miko schließt seine Augen und schnüffelt. Da ist es! Dieser beißende, unverkennbare Geruch von schwarzen Wasser. Miko umrundet das Gefährt und klopft wild gegen den Panzer, sowie gegen einige Kanister, in welche noch kleine Pfützen schwimmen. Miko weiß nicht wie viel davon in dem Panzer ist, aber er weiß das da etwas drin ist.
Als Ysa Mikos Aufregung sieht, lächelt sie. „Siehst du? Da ist noch jemand meiner Meinung das wir es versuchen sollten.“
       Rodis Blick gefriert. „Na gut.“
Miko und Fynn bleiben zurück als Ysa und Rodi in den Panzer klettern. Das gefällt Fynn gar nicht. Miko soll auf ihn aufpassen, aber was soll er machen, wenn dieser plötzlich alleine los geht und auf den Panzer zu klettern versucht? Miko eilt ihm schnell zu Hilfe, stützt ihn ab und zusammen klettern sie ebenfalls in das dunkle Innere.
In dem Panzer ist es stickig und es riecht dezent süßlich und zugleich auch unangenehm beißend nach Tierkadavern.
„Fynn!“ Rodi schnaubt als er Fynn in dem diffusen Licht erkennen kann.
„Ich warte doch nicht draußen“, röchelt er.
      „Wäre aber besser gewesen.“ Ysa tadelt nicht oft, aber diesmal scheint sie sich richtig Sorgen um ihn zu machen. Miko kommt sich nun so schuldig vor, weil er Fynn nicht hatte aufhalten können, doch als er plötzlich ihre Hand spürt, welche sich in die Seine legt, lösen sich all seine Sorgen in Luft auf.
„Ich habe keine Ahnung ob es noch rollt.“ Rodi überprüft flüchtig die Schalter und Hebel. Doch letztendlich ist es Fynn, welcher mit einigen Schlägen gegen die Armatur die Mechanik zum Leben erweckt. Der Panzer beginnt von innen wie von selbst zu leuchten und zeigt plötzlich das komplette Bild der Außenwelt auf einem großen Monitor.
      „Unglaublich was es alles gegeben hat“, staunt Fynn.
„Viel wichtiger ist, dass wir nun schneller vorwärts kommen. Weit weg von diesen Echsen, und das willst du doch, oder?“ Rodi mustert seinen Freund mit einem verschmitzten Blick.
Fynn lächelt. Als Rodi daraufhin einen Hebel nach hinten zieht, beginnt das Gefährt mit einem ohrenbetäubenden Lärm zu fahren. Mit seinem schwerfälligen Kettengewinde zieht er tiefe Furchen durch den Wüstensand.
„Das ist ja unglaublich. Wir fahren!“ Ysa’s Lachen wird durch Rodi’s Freudenschreie untermalt. Miko würde jetzt ebenfalls vor Freude jubeln und lauthals lachen, wenn er sprechen könnte.

 

 

 

 

 


        Durch dieses Gefährt gelangen sie äußerst schnell in die Nähe der schwarzen Felsen. Doch mit jeden weiteren Meter wird deutlich das es sich dabei um Behausungen, und somit um eine verkommene Ruinenstadt handelt. Rodi stoppt das Fahrzeug und als seine Freunde gut gelaunt aus dem Panzer ins Freie klettern, bleibt Miko nachdenklich zurück. Städte können sehr gefährlich sein, dass weiß er nur zu gut. Dort gibt es allerlei Gesindel und auch riesige Insekten und Ungeziefer.
      „Wir werden vorsichtig sein.“
Miko schreckt auf. Als er nach oben schaut, sieht er Ysa, welche durch die Luke zu ihm ins Cockpit hinab schaut. Ysa versteht ihn immer sofort und ihr zuversichtliches Lächeln gibt ihm Mut. Miko klettert mit ihrer Hilfe aus den Panzer und folgt den anderen zögernd in die Stadtruinen.
      Die Stadt ist verlassen. Hier gibt es nichts als ausgebrannte Betonruinen und im Sand vergraben auch menschliche Knochen und Schädel. Zwischen einem dieser menschlichen Gebeine krabbelt ein Tausendfüßler, welcher nach einiger Zeit Unterschlupf unter einem Wangenknochen findet. Hier müssen einst sehr viele Menschen beinahe zur gleichen Zeit gestorben sein, vermutet Miko. Noch nie in seinem Leben hat er so viele Skelette gesehen. Währenddessen Miko angstvoll nach Hinweisen auf eine tödliche Strahlung Ausschau hält, haben seine Freunde längst etwas Neues, und noch dazu recht Seltsames entdeckt.
      Auf einem Platz umringt von Betonskeletten befinden sich kleine Miniaturhäuser, die zum Teil zerstört und eingestürzt sind. An einigen hängen Seile, die sogar noch intakt sind. Ein etwas größeres Haus hingegen zieht die besondere Aufmerksamkeit der Vier auf sich. Eine schmale Leiter, an welcher einige Sprossen fehlen, befindet sich an der Seite und aus einer Öffnung weit oben ragt ein metallisches Gebilde herab. Es mündet am unteren Ende in den aufgeplatzten Betonboden. Rodi ist der Erste, der neugierig die Sprossen hinaufsteigt und sich auf dieses glatte, metallische Etwas setzt. Er verliert jedoch auf einmal seinen Halt und rutscht mit großer Geschwindigkeit hinab. Ysa und Miko eilen sofort zu ihm, doch Fynn ist bereits zur Stelle.
      „Ist dir was passiert?“ fragt er voller Sorge, doch Rodi lacht nur.
„Das hat Spaß gemacht. Fynn, das musst du auch mal probieren.“
„Ich bin doch nicht verrückt!“ Fynn berührt erschrocken mit seiner Hand seine Brust, unter welcher er sein pochendes Herz spüren kann.
„Wenn man sich da rauf setzt, rutscht man runter“, erklärt Rodi begeistert.
       Neugierig geworden und von seiner Euphorie ein bisschen angesteckt, erklimmt Miko die Sprossen und setzt sich auf das glatte Metall. Er rutscht sofort runter und vor Schreck beginnt sein Bauch recht eigenartig zu kribbeln. Ein ungewohntes, jedoch sehr schönes Gefühl, empfindet er. Unten angekommen rast er direkt in Rodi hinein, welcher nicht mehr rechtzeitig ausweichen kann. Miko klatscht in die Hände vor Freude und sein Gesicht strahlt. Das war eben so schön, dass er am liebsten noch mal hochklettern will, aber Rodi ist schon vor ihm oben.
      „Ihr seid doch verrückt!“
„Probiere es doch mal aus, Ysa, dann weißt du wie toll das ist“, ruft Rodi, währenddessen er lachend hinunter rutscht. Miko ist bereits wieder oben.
„Also das hier macht auch viel Spaß.“
      Alle wenden sich verwundert um. Fynn hängt sitzend zwischen zwei Seilen und schaukelt auf und ab, währenddessen Miko noch einmal rutscht. Auch Ysa kann sich nun nicht mehr zurückhalten und klettert die Sprossen hinauf, um kurz darauf lachend herabzurutschen. „Ich habe noch nie zuvor so etwas Sinnloses gemacht, aber es macht Spaß“, lautet ihr entgeistertes Fazit.
     Spielend und lachend vergessen die vier Freunde vollkommen die Zeit. Sie schieben Sorgen, Angst und Hunger weit von sich. In diesem Augenblick haben sie einfach nur Spaß und sie können wieder Kinder sein. Kinder in einer Welt, welche gnadenlos und menschenfeindlich geworden ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

       Miko ist schon sehr früh wach geworden. Diese Stadt bereitet ihm noch immer großes Unbehagen und sie sollten nicht allzu lange hier verweilen. Er entfernt sich ganz leise vom Lager, welches sie in der Nähe des lustigen Platzes aufgebaut haben. Er will auf die Jagd gehen.
In der Ruinenstadt gibt es Käfer und Insekten. Die Verseuchung könnte hier also nicht allzu hoch sein, hofft er. Mühsam zwängt er sich durch den Eingang eines Hauses. Hier liegen überall Trümmer, Gestein und auch zersplittertes Glas. Es ist schwarz, was kein gutes Zeichen ist. Schwarzes Glas bedeutet eine Strahlengefahr. Miko muss es den anderen zeigen, damit auch sie die Gefahr erkennen, welche von diesem Ort ausgeht, doch ein lautes Zischen hält ihn plötzlich davon ab.
      Ganz langsam dreht er sich um und entdeckt im Augenwinkel eine aggressive Schlange, welche sich in ihrer Behausung gestört fühlt. So eine Schlange ist schwer zu jagen. Vor allem wenn sie nicht träge, sondern angriffsbereit ist. Miko beschließt nun sich zurück zu ziehen. Dazu geht er ganz langsam einige Schritte rückwärts, aber die wachsamen Augen der Schlange haben ihn stets im Visier. Sie braucht nur einmal nach vorn zu schnellen und ihn mit ihrem Gift zu erwischen, und schon ist es vorbei. Miko hält plötzlich inne. Zwischen den Trümmern und neben einem zerbrochenen Gitterbett entdeckt er eine kleine Stoffpuppe. Sie ist vollkommen verdreckt und ihr fehlt ein Bein. Die Puppe sieht hier so verloren und deplatziert aus, empfindet Miko. Ob das hier einmal ein Zimmer nur für Kinder gewesen ist? Miko hat davon gehört, dass es früher so etwas gegeben haben soll. Doch es jetzt zu sehen und zu erleben, ist sehr ungewohnt für ihn. Das Zischen der Schlange bewegt Miko endlich dazu diese Ruine zu verlassen. Hier wird er ohnehin nicht mehr fündig werden.
     Abseits der Behausung jedoch kann er unzählige Käfer und Krabbler sammeln. Einen passenden Behälter findet er auch schon recht bald. Es ist eine sehr große und recht schwere Schüssel, welche zwischen verdorrten Gestrüpp und einer hohen Betonwand halb im Sand vergraben liegt. Miko zieht es aus dem Sand heraus, säubert es kurz und beginnt nun darin seinen Fund zu legen.

 

 

 


      Nach einiger Zeit des Sammeln kehrt er zum Lager zurück, nur um dort eine Überraschung zu erleben. Die anderen sind auch schon wach und gerade in eine hitzige Diskussion vertieft. Ysa schaut kurz auf als sie Miko sieht. Ihr Lächeln erwärmt abermals sein Herz.
„Das Ding fährt nicht mehr. Ich habe es probiert.“ Rodi atmet tief durch und läuft aufgebracht hin und her. „Ich hab es immer wieder versucht, aber es geht einfach nicht.“
„Dann laufen wir wieder zu Fuss weiter.“
Ysa's Vorschlag missfällt Rodi sichtlich. Vor allem sein Blick in Richtung Fynn verrät was ihm gerade durch den Kopf geht. Fynn sitzt auf den Boden, währenddessen sein trüber Blick ins Leere gleitet. Er sieht sehr krank aus, bemerkt Miko sofort. Fynn atmet schwer, aber nachdem er sich scheinbar gesammelt hat, schaut er entschlossen auf. „Ich pack das schon.“
      Als Fynn sich erhebt ist Rodi wieder sofort zur Stelle. „Wir werden jetzt aufbrechen. Und bitte Rodi, sag' jetzt nichts dagegen.“
Ysa's Blick haftet sich unterdessen auf Miko und seiner riesigen Schüssel in den Armen.
Miko kippt diese leicht an, um ihr die Käfer darin zu zeigen.
„Proviant. Das ist sehr gut. Vielen Dank.“ Sie lächelt erfreut. Miko mag es von ihr Aufmerksamkeit geschenkt zu bekommen. Jeder Moment mit ihr ist schön. Viel bedeutender ist jedoch, wenn sie fröhlich ist. Ihr Auge, ein Ohr, die Wange und Teile ihrer Nase und des Mundes sind deformiert. Miko kennt solche Verformungen, doch Ysa's liebevolles Inneres überstrahlt alles. Ganz gleich wohin sie auch gehen mag, er wird immer an ihrer Seite bleiben. Das wird ihm jetzt mehr als zuvor bewusst.
     Die vier Freunde brechen auf. Sie bleiben jedoch noch einmal stehen und schauen wehmütig – ein jeder für sich - auf den Platz zurück, welcher ihnen gestern soviel Freude bereitet hat.

 

 

 

 

 

 

 


      Jenseits der Stadt erheben sich gigantische Sanddünen. Die Luft wird stickiger und sie ist bereits so warm, dass es schwer fällt zu atmen. Die neue Wüste umschließt ein weitläufiges Gebiet, welches sich irgendwo in der flimmernden Ferne verliert. Währenddessen Fynn kurz verschnauft, überlegen die anderen wie es weitergehen soll.
„Dort drüben sollten wir nicht lang gehen, denn dieses Gebiet ist sehr gefährlich“, meint Fynn plötzlich. „Die große dunkle Wolke da hinten ist keine gute Wolke. Da kommt saurer Regen runter. Ich habe so etwas schon erlebt.“
Miko blickt mit Ehrfurcht in die Ferne. Tatsächlich wirft dort eine gigantische Finsterwolke ihren Schatten über einen ganzen Landstrich. In Mikos Augen wirkt dieser Schatten einfach nur unheimlich. Obwohl es heiß ist, bekommt Miko nun eine Gänsehaut.
     „Dann eben weiter über die Dünen mit der Sonne im Rücken“, schlägt Ysa vor.
„Das ist zu anstrengend für Fynn. Die Halbwüste war für ihn schon kaum zu schaffen.“
Fynn zieht daraufhin scharf die Luft ein. „Ich werde mich anstrengen.“
„Und dann zusammenbrechen?“
„Was willst du? Sollen wir einfach umkehren wegen mir? Ich werde nie wieder in das Dorf zurückgehen. Nicht mit diesen Monstern dort.“
„Das weiß ich.“ Rodi schnauft verzweifelt.
„Dann hör auf mich davon abzuhalten. Es gibt nur diesen einen Weg.“
      „Ja, aber er ist dennoch zu anstrengend für dich.“ Ysa ist nun ebenfalls verzweifelt, was Miko nicht gefällt. Doch plötzlich kommt ihm etwas in den Sinn als er sich an den gestrigen Tag zu erinnern beginnt. Immer noch in die Diskussion vertieft, bemerken sie gar nicht wie Miko ihnen etwas zeigen will.
„Ich könnte ihn vielleicht Huckepack nehmen?“
„Sehr ungern erinnere ich dich daran, dass dein zweiter Arm nicht kräftig genug ist um ihn zu stützen. Und ich bin zu schwach.“
      „Vielleicht . . .“ Rodi schaut auf als er Miko wild gestikulieren sieht. „Was hast du?“
Miko deutet immer noch energisch auf die Schüssel in seinen Armen.
„Eine verrostete Pfanne?“ Fynn mustert ihn entgeistert. Miko erntet nun von allen verwirrte und fragende Blicke.
„Also wenn wir effektiver unsere Speisen zubereiten und Nahrung sammeln wollen ist sie hervorragend geeignet, aber jetzt hilft sie uns leider nicht weiter, mein Freund.“ Rodi mustert Miko fast mitleidig.
     Miko weiß nicht recht wie er es erklären soll, also führt er ihnen vor was er sich ausgedacht hat. Er stellt die Schüssel ab, schaufelt die Käfer einfach in seinen Leinensack und klettert mit ihr mühsam auf eine der hohen Sanddünen. Die Hand vor den Augen haltend schauen sie zu Miko hinauf.
„Was hat er vor?“ fragt Rodi flüsternd an Ysa gewandt.
„Ich . . . weiß nicht, aber vielleicht hat er ja eine Idee?“
     Miko setzt sich in die Schüssel und rutscht auf ihr den Abhang hinab, um somit direkt vor Fynn's Füßen zum Stehen zu kommen.
Nach einem kurzen Schweigen kommt Ysa als erste drauf: „Das ist so wie gestern.“
„Und? Er rutscht und . . .“ Mit Rodi's Erkenntnis schaut auch Fynn auf. „Wir ziehen Fynn hinter uns her.“
Als Bestätigung klatscht Miko in die Hände.
     „Aber wir brauchen etwas zum auspolstern, und auch Seile.“ Ysa schaut sich wild suchend um.
„Das finden wir alles in der Stadt.“ Rodi blickt entschlossen zurück, ehe er Fynn ein sanftes Lächeln schenkt. „Sieht so aus als könnten wir doch über die Dünen gehen.“
     „Ich habe auch nichts anderes erwartet. Danke mein Freund.“ Fynn lächelt schwach und Miko ist sehr stolz auf seinen Einfall. Vor allem als Ysa ihn zum Dank umarmt.

 

 

 

 

      Fynn hinter sich herziehend erklimmen sie beinahe ohne Rast den ganzen Tag über die Dünen. Immer dann wenn Miko hoch oben auf einer Düne steht, kann er in der Ferne die dunkle, bedrohliche Wolke sehen. Obwohl sie nie hier rüber ziehen wird, hat er dennoch Angst vor ihr.
„Das macht Spaß“, ruft Fynn, welcher gerade eben auf der großen runden Pfanne die Sanddüne herabgerutscht ist. Ebenfalls unten angekommen, schnappt sich Rodi das Seil und zieht ihn die nächste Düne hinauf. Ysa und Miko folgen ihnen keuchend. Die Reise verlangt viel von ihnen, aber das Ziel ihres beschwerlichen Weges gibt ihnen die nötige Kraft.
     Die Sonne versinkt derweil langsam am Himmel, welcher zu glühen beginnt. Miko kann nicht glauben wie lange sie unterwegs waren. Erst jetzt machen sich Hunger und Durst bemerkbar.
„Wird Zeit für eine Rast“, meint Ysa erschöpft.
„Dort drüben wäre ein idealer Ort“, ruft Rodi, welcher bereits die Dünenspitze erklommen hat. Ysa beeilt sich, ebenso wie Miko, schnell hinaufzuklettern. Oben angekommen sehen sie in der Ferne ein schneeweißes, verglastes Gebäude vor der Kulisse eines dämmernden Horizontes.
    „Ein neues Ziel. Mal sehen was wir dort wieder alles entdecken werden.“ Fynn blickt in seiner Schüssel sitzend neugierig zu ihnen hinauf. Sie sind bisher gut vorangekommen. Der Mut der vier Freunde ist angestiegen und Ysa’s Hoffnung einen tollen Ort zum Leben zu finden ist noch immer ungebrochen. Mit freudigen Erwartungen blickt auch Miko dem Horizont entgegen. Noch ahnt niemand, welch erschütternde Erkenntnisse sich in dem Gebäude für sie offenbaren werden. Nichts wird mehr so sein wie es einmal war...

 

 

 

 

Kapitel 6 und 7, und somit das Ende dieser Kurzgeschichte, folgen demnächst.



 

Avi

 


 


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Als die Menschen ausstarben


 

 

4. Ein stummer Fremdling

 


         Ungewöhnlicher Lärm vor ihrem Zelt weckt Ysa auf. Instinktiv hellwach geworden springt sie auf und öffnet den Vorhang. Draußen brennt die Sonne, aber so heiß wie in der Wüste jenseits des Tals der Riesenechsen ist es nicht. Dennoch sollte man nicht allzu lange in der Sonne sein. Trotz alledem treibt die Neugierde sie hinaus auf den heißen Asphalt, welcher von kleinen Zelten umsäumt ist. Im symbolischen Dorfzentrum (eine kleine Erhebung der Asphaltstraße) steht der alte Tarim umringt von einigen Dorfbewohnern. Es sind jedoch gerade einmal eine Handvoll Menschen, die hier leben. Tarim ist der Dorfälteste mit dem signifikanten Bart um Mund und Kinn. Die Sonne scheint grell auf seine hagere Statur und erst jetzt bemerkt Ysa, dass er etwas in den Armen hält.
        „Hab‘ ihn gefunden dort hinten bei den Dünen“, nuschelt er. „Ist verletzt, lebt aber noch, denke ich.“
Neugierig wird Tarim von den Bewohnern umringt und auch Ysa wirft einen Blick auf seinen Fund. Er trägt einen Jungen in seinen Armen. Dieser hat lange, dunkle Haare, sieht sehr mager aber scheinbar gesund aus, da sie keine Verformungen oder Beulen und dergleichen an ihm ausmachen kann.
„Was machen wir mit ihm?“ fragt einer von Ysa’s Nachbarn.
„Ich weiß nicht. Genug freie Zelte gibt es hier ja. Müsste vielleicht nur gepflegt werden, der Fremde.“ Tarim ist beinahe zahnlos, und die wenigen noch verbliebenen faulen Ruinen in seinem Mund bereiten ihm unverkennbar Schmerzen. Aus seinem Mund riecht es unangenehm und der Speichel tropft von seiner Lippe.
        „Ich mache das“, bietet sich Ysa an.
„Ich bring‘ ihn in dein Zelt.“ Als Tarim los schlürft, verschwinden auch die anderen wieder in ihre Zelte.
Ysa begleitet Tarim wortlos, bis sie ihn neugierig fragt: „Ist er durch das Tal gekommen?“
Tarim zieht eine Braue hoch. „Möglich“, sagt er. „Hatte wohl großes Glück gehabt. Kenne niemanden, der sich da durch wagt. Sind gefährliche Echsen dort. Kommen manchmal auch an unser Dorf vorbei. So.“ Er legt den Fremden auf ein schmales Lager in Ysa’s Zelt ab, bevor er dann wortlos geht.

       Ysa mustert den Jungen neugierig. Sein Körper ist zerschunden und eine große Wunde klafft auf seiner linken Wade. An einigen Stellen ist seine Haut verbrannt, was darauf schließen lässt, dass er aus der Wüste kommt. Seine Lippen sind spröde und aufgesprungen. Ysa weiß gar nicht wo sie zuerst mit ihrer Versorgung anfangen soll.

Zögernd greift sie nach einer Schüssel mit ihrer Tagesration Wasser und benetzt damit seine Lippen. Danach macht sie sich daran seine Wunden zu verbinden. Die große Wunde näht sie mit einer spitzen Nadel, welche sie vor wenigen Tagen in der Nähe des Zeltlagers, zusammen mit einigen anderen Dingen, gefunden hat. Den Faden entnimmt sie einem kleinen Koffer. Dieser Koffer gehörte einst ihrer Mutter, welche vor nicht allzu langer Zeit verstorben ist. Aufgrund der reichhaltigen Nahrung im Dorf, bestehend aus Schlangen, Käfern, Ratten und dergleichen, sowie der Tagesration Wasser ist Ysa‘s Mutter sehr alt geworden. Letztendlich war es eine Krankheit welche ihr am Ende das Leben gekostet hat. Ysa ist nicht traurig darüber, denn ihre Mutter sagte ihr einst, dass sie sich irgendwo jenseits der funkelnden Lichter am Nachthimmel wiedersehen werden. Aber bis dahin hat Ysa noch ein ganz großes Ziel.

 

 

 


       Der Fremde zuckt plötzlich zusammen, nachdem Ysa den letzten Stich gemacht und den dünnen Faden verknotet hat. Als er seine Augen öffnet, schenkt sie ihm ein herzliches Lächeln, welches ihn sichtlich irritiert. Er betrachtet kurz seine genähte Wunde, bevor er sich verwirrt im Zelt umschaut. Die Sonne beleuchtet den Stoff des Zeltes, so dass nun alles orangefarben ist.
„Du befindest dich im Dorf am Anfang der Halbwüste, und dies ist mein Zelt. Ich bin Ysa. Hast du auch einen Namen?“ fragt sie freundlich.
Der Junge nickt daraufhin eifrig.
      „Und?“ Sie ändert ihre Schneidersitzposition und stützt sich auf ihre zierlichen Knie. Es ist still im Zelt und der Junge blickt sie hilflos an. Als er noch immer nicht antwortet, fragt sie vorsichtig: „Kannst du sprechen?“
Traurig schüttelt er den Kopf.
„Kannst du vielleicht schreiben?“
Auch diesmal muss er den Kopf schütteln. Wie soll er ihr sagen das er Miko heißt? Seine Mutter hat ihn nur einmal beim Namen genannt, und das auch nur um ihn vor einer großen Kakerlake zu warnen, als er noch ganz klein war.
      „Macht nichts.“ Schon wieder dieses Lächeln. Miko hat noch nie in seinem Leben einen Menschen lächeln sehen. Obwohl die Hälfte ihres Gesichtes entstellt ist, wirkt sie durch diese Geste dennoch ungewöhnlich schön, empfindet Miko.
„Meine Mutter hat mir ein wenig Lesen und Schreiben beigebracht. Kaum einer im Dorf kann das. Meine Mutter war sehr gut darin.“
      Miko richtet seinen Oberkörper auf und hört dem Mädchen interessiert zu.
„Dinge die so kurz leben wie wir brauchen keinen Namen oder eine Bezeichnung, hat einmal ein Freund von mir gesagt. Jetzt heißt er Rodi, weil ich ihn so genannt habe.“ Schon wieder lächelt sie vergnügt. Unterdessen legt sie alle Verbände und Arztutensilien sorgfältig in den Koffer ihrer Mutter zurück.
„Selbst meine Tiere haben alle Namen.“

      Miko blickt daraufhin fragend auf. Ysa hebt eine kleine Kiste hoch und stellt sie neben sein Lager ab. Als Miko über den Rand der Kiste lugt, kommt er aus dem Staunen nicht mehr heraus. Das Mädchen hat viele kleine Eidechsen gefangen, die faul auf Ästen oder unter Steinen liegen. Hungrig greift er in die Kiste und angelt sich eine.
„Hey, lass das!“ mahnt sie, als er sich eine in den Mund stecken will. Kurzerhand nimmt sie ihm die Eidechse ab und setzt sie sanft in die Kiste zurück. „Ich habe sie gerettet als sie mit ihrem Körper unter dem schwarzen Steinweg eingeklemmt war. Die anderen dort habe ich auch mal irgendwo gerettet“, erklärt sie fröhlich. „Man muss schnell sein, um eine Eidechse erwischen zu können. Manche verlieren sogar ihren Schwanz. Wusstest du das?“
     Als Miko die dunkle Schüssel mit Wasser neben ihr entdeckt, werden seine Augen groß. Ysa bemerkt seinen Blick.
„Hast du Durst?“ fragt sie, woraufhin er heftig zu Nicken beginnt. Ohne zu zögern reicht sie ihm die Schüssel und sieht zufrieden zu, wie er seine Hände in das trübe Wasser eintaucht und seinen Durst löscht. Sie weiß das er das Wasser nötiger hat als sie. Kaum zu Ende getrunken, reicht er ihr die Schüssel mit dem Rest Wasser darin. Als sie seinen schuldbewussten Blick bemerkt, winkt sie lächelnd ab. „Heute Abend gibt es neues Wasser. Und dann wirst auch du genügend abbekommen. Aber jetzt wird es Zeit etwas zu essen.“

 

 

 

 


       Miko blickt auf als sie einen Leinensack zu sich heran zieht, dort intensiv herum wühlt und eine kopflose Schlange hervorzieht. Diese legt sie auf eine Steinplatte, die sich im Zentrum des Zeltes befindet. Ein seltsames Gerüst steht daneben und unter diesem Gerüst befindet sich brennbares Material. Hat sie etwa vor diese kostbare Speise zu verbrennen? Miko beobachtet sie ein wenig mürrisch, wird aber ganz erstaunt als sie aus dem Sack noch eine kleine, jedoch recht fette Ratte hervorzieht. „Unter dem schwarzen Steinweg draußen verkriechen sich viele Kreaturen. Da hat man leichte Beute“, erklärt sie.
     Mit offenem Mund sieht er zu wie Ysa ein Feuer entzündet, die Schlange und die Ratte auf einen Metallstab aufspießt und diese knapp über dem Feuer aufhängt. Ab und zu beginnt sie die wertvolle Beute zu drehen.
Dieser Geruch! Miko schließt seine Augen und nimmt den Geruch von warmen Fleisch in sich auf. Ysa lächelt ihn erfreut an. „Es riecht sehr gut. Schmecken tut es noch besser, glaub mir.“ Ysa erkennt sofort das es Mikos Angewohnheit oder vielmehr Instinkt ist, alles vorher zu beschnüffeln. Gift riecht sehr intensiv, weshalb sie annimmt das er früher einmal jemanden durch Gift oder Ähnliches verloren hat, und aus diesem Grund nun sehr vorsichtig geworden ist. Doch was Ysa nicht weiß ist, das Mikos Geruchs- und Gehörsinn sehr stark ausgeprägt sind. Mehr als bei anderen Menschen. Nach einer Weile nimmt Ysa das Essen von der Stange und teilt es zwischen ihnen auf. Miko isst an diesem Tag das leckerste Essen seines gesamten, bisher jedoch recht kurzen Lebens.

 

 

 

 

        Es dämmert bereits als Ysa ihm das Dorf zeigt. Viele Zelte umrunden einen pechschwarzen Steinweg, der hinaus in die Halbwüste führt und sich dort irgendwo in der Ferne verliert. Nicht einmal mit zusammengekniffenen Augen kann Miko dessen Ende erkennen. Neben den vielen Zelten fällt Miko noch ein großes Ding auf. Es besteht aus Metall und ist fast so groß wie ein Haus. Es liegt jedoch waagerecht im Sand neben der brüchigen, schwarzen Asphaltstraße. In der Mitte ist es aufgebrochen, so dass man durch einen Spalt ins dunkle Innere schauen kann. Merkwürdig findet Miko die großen, zum Teil gebrochenen Dreiecke, welche links und rechts aus dem Rumpf herausragen. Am Ende dieses eigenartigen Gebildes ragt sogar ein kleineres Dreieck in die Höhe. Der Vogel aus dem Tal der Riesenechsen sah so ähnlich aus, erinnert sich Miko. Was er jedoch nicht weiß ist, dass es einmal ein Flugzeug gewesen ist, welches nun schon seit Jahren vor sich hin rostet und von den Bewohnern dieses Dorfes als Behausung genutzt wird.
       „In den Zelten haben einst viele Menschen gelebt. Und das da vorne“, sie deutet auf das große Flugzeugwrack im Sand, „war mal eine Krankenstation, hat mir meine Mutter erzählt. Aber als bei uns ein schweres Leiden ausgebrochen ist, an dem fast alle gestorben sind, wurde es nicht mehr genutzt. Meine Freunde Rodi und Fynn wohnen jetzt dort. Da hinten ist unsere Wasserquelle.“
      Miko sieht eine riesige Zisterne, die sich weit über das Wrack und die Zelte erhebt. „Es regnet nicht oft und vor allem nicht viel, aber das was runter kommt, wird hier aufgefangen und aufgeteilt.“ Sie bleibt auf den aufgerissenen schwarzen Asphalt, direkt neben einem verbogenen Pfahl aus Metall stehen. An dessen Spitze kann er ein verblasstes Dreieck erkennen, welches wohl einmal rot gewesen war. Ähnliche Pfähle mit Vierecken, Kreisen oder unbekannten Schriftzeichen kennt Miko aus der Stadt. Es gibt dort überall sehr viele seltsame Schilder, die er nicht versteht.
      „Es wird bald dunkel. Lass uns meine Freunde besuchen.“ Sie zwängt sich daraufhin durch die Öffnung im Flugzeugwrack und Miko folgt ihr neugierig. In dem Wrack erkennt Miko viele eigenartige Bettlager, die sehr weich aussehen und wo Menschen perfekt drin Platz finden können. Allerdings in einer komischen Position. Eine kleine Flamme hinter einer Glasscheibe zieht Mikos Aufmerksamkeit auf sich. Sie erhellt das dunkle Domizil in dem Ysa’s Freunde leben. Ysa folgend gelangt er an das vordere Ende der ungewöhnlichen Behausung. Der Weg mündet in einen verglasten Raum mit vielen Schaltern, Knöpfen und abgebrochenen Hebeln. In diesem ungewöhnlichen Raum befinden sich ebenfalls zwei der seltsamen aufrechten Liegeplätze. Auf einen der beiden Plätze sieht er einen Jungen in dieser komischen Haltung darin liegen. Er hebt müde den Kopf. Seine Haare sind ausgefallen und sein Blick ist trüb. „Rodi besorgt gerade was zu Essen“, sagt er.

 

 

 


       „Bist du wieder zu schwach um rauszugehen?“ fragt sie mitleidig. Miko kennt diese Fürsorge nicht. In der Stadt ist man verloren, wenn man nicht selbst für Essen sorgen kann.
„Hab‘ vorhin ein paar Riesenechsen gesehen.“ Er deutet mit seiner Hand in Richtung Horizont, welcher durch eine zerbrochene Scheibe hindurch zu sehen ist. Das Dämmerlicht umhüllt einige dieser dornigen (und für Miko durchaus wohl bekannten) Gewächse in weiter Ferne. „Ich habe Angst vor ihnen.“
„Sie verlassen nicht oft das Tal. Dort fühlen sie sich wohl. Ich glaube nicht das sie unser Dorf entdecken werden“, versucht sie ihn zu beruhigen.
„Früher oder später werden sie kommen“, murmelt Fynn seine düstere Prophezeiung.
        „Ich habe Essen gefunden!“
Miko wendet sich zusammen mit Ysa um und entdeckt einen Jungen mit wilden Haaren und einem aufgeweckten, bisweilen neugierigen Blick. Ihm fehlt jedoch ein Auge und seine linke Hand ist leicht verkrüppelt und nach außen verdreht. Er hält sie etwas seitlich am Körper. „Ysa, sei willkommen. Wen hast du da mitgebracht?“ fragt er freundlich.
Diesen Umgang unter Menschen kennt Miko nicht und so sieht er erstaunt zu, wie sie sich unterhalten.
„Ein neuer Freund. Er hat den Weg durch das Tal hierher geschafft.“ Als sie dies sagt, erntet er erstaunte Blicke von Rodi und Fynn, welcher nun über den gepolsterten Sitz lugt.
„Gibt es sehr viele Riesenechsen dort?“ fragt Fynn angstvoll.
      „Er kann nicht reden“, sagt Ysa sofort, bevor sein Schweigen vielleicht falsch verstanden werden kann.
„Sehr beeindruckend das du den gefährlichen Weg geschafft hast.“ Rodi mustert Miko anerkennend. „Das Essen reicht aber nur für zwei“, sagt er dann mit flüchtigen Blick in sein Netz, in welches Miko eine große Ratte erkennen kann.
„Wir haben schon gegessen.“ Ysa lässt sich in eines dieser ungewöhnlichen Lager plumpsen und lehnt ihren Rücken gegen die weiche Wand.
      „Nun haben wir wieder einen Bewohner mehr im Dorf. Das gleicht unsere vier Verstorbenen leider nicht aus.“ Fynn wendet sich wieder um und blickt hinaus in die Halbwüste, als wenn er wegen irgend etwas Wache halten würde. Vielleicht wegen der Riesenechsen, denkt sich Miko. Am Nachthimmel funkeln bereits die ersten Sterne.
„Ich bin mir sicher das es einen Ort gibt, wo man besser leben kann. Einen Ort, wo es nicht heiß ist und wo man nicht durch Krankheiten stirbt“, träumt Ysa mit sehnsüchtigem Blick hinaus auf das dezente Sternenmeer.
„Sicher gibt es diesen Ort, Ysa. Vielleicht irgendwo hinter den tanzenden Lichtern da oben. Aber hier unten wirst du so einen Ort wahrscheinlich nicht finden“, meint Rodi ernst. Er bereitet unterdessen die Ratte ebenso zu, wie Ysa zuvor.
     „Die großen Echsen da draußen werden sich hier prächtig wohl fühlen. Ich denke sie sind die einzigen die auf dieser grausamen Welt ungestört leben können.“
Miko kann Fynn hinter der weichen Wand nicht sehen, dennoch hört er die Verzweiflung in seiner Stimme.
„Ich habe Mutter versprochen nicht aufzugeben. Eines Tages werde ich einen schönen Platz zum Leben finden“, sagt Ysa entschlossen und beginnt zu lächeln. Miko mag dieses Lächeln. Er weiß nicht ob er überhaupt zu dieser Geste fähig wäre.
     „Da musst du dich aber beeilen, denn alt werden wir alle nicht“, murmelt Rodi, währenddessen er das Feuer schürt.
„Ich würde am liebsten sofort losgehen, aber ich weiß nicht ob ich es alleine schaffe.“ Ysa’s Blick wird nachdenklich.
„Ich würde mitkommen, wenn es bedeutet von diesen schrecklichen Ungeheuern fortzukommen“, kommt es unerwartet von Fynn.
     Rodi blickt daraufhin besorgt auf. „Das würdest du gar nicht schaffen.“
„Lieber an Erschöpfung sterben, als im Maul eines dieser Bestien zu landen!“
„Fynn wurde einmal von einer Riesenechse einen halben Tag lang gejagt“, flüstert Ysa Miko ins Ohr. Miko kann Fynn’s Angst verstehen, denn seine letzte Hetzjagd liegt noch nicht lange zurück. Er ist nur knapp dem Tod entronnen und es hätte nicht mehr viel gefehlt, dann wäre er als Mahlzeit im Rachen eines Monstrums gelandet, welches in einer finsteren Felsenhöhle gehaust hat.
     „Wenn du irgendwo hingehst, dann komme ich mit, um auf dich aufzupassen“, meint Rodi mit einem liebevollen Unterton. Rodi muss Fynn sehr gern haben, schlussfolgert Miko. Aber auch er hat jemanden lieb gewonnen: Ysa.
„Heißt das, ihr wollt mit mir nach einem besseren Platz zum Leben suchen?“ fragt Ysa erfreut.
     Fynn lugt von seinem Platz aus über die Lehne und nickt. Ebenso wie Rodi. Als Ysa Miko fragend anblickt, denkt er nach und lässt die letzten Tage Revue passieren:

Hunger, Durst, tödliche Verfolgungen . . . Miko nickt ebenfalls.
Wenn es auf dieser trostlosen Welt noch einen besseren Platz zum Leben gibt, dann will er ihn ebenfalls finden. Vielleicht gibt es ja doch noch Hoffnung, denkt Miko und zieht zum ersten Mal in seinem Leben die Mundwinkel nach oben und zeigt Ysa ein unbeholfenes Lächeln.
 

 

 

Kapitel 5 folgt demnächst.

 

 

Avi


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Als die Menschen ausstarben

 

3. Beute

 


           Es ist sehr schnell kühl geworden in dieser Nacht. Miko zittert am ganzen Leib als er sich mühsam über Sandhügel und Berge schleppt. Überall hört er es Zischen und Klappern. Außerhalb der Stadt ist es sehr gefährlich, weil im Wüstensand viele giftige und gefräßige Insekten und Reptilien hausen. Miko muss vorsichtig und sehr aufmerksam sein, wenn er nicht so enden will wie einer seiner früheren Freunde, welcher von einer großen Anzahl hungriger Ameisen verspeist worden ist. Stadtmenschen verlassen in der Regel die Stadt sehr selten oder nie. Und wenn, dann endet ihre Reise sehr schnell tödlich. Aufgeschreckt durch ein lautes Zischen jenseits der Sanddünen, sowie dem Geräusch von wühlenden Gliedern im Sand, sehnt sich Miko nach seiner schützenden Behausung zurück. Zitternd aus Angst und Kälte blickt er sich um. Wüstensand, soweit er in der Dunkelheit ausmachen kann. Als er zurückblickt, sieht er die vom Mond angeleuchtete Stadt mit ihren riesigen Betonruinen. Miko ist erstaunt wie groß sie ist. Er hatte sie nie zuvor verlassen müssen, doch nun hat er keine Wahl mehr. Der Durst treibt ihn an. Wie das Tal wohl sein mag? Und was hatte der Buckelige vorhin mit „gigantischen Kreaturen“ gemeint, fragt er sich nun. Meinte er etwa ein Tal voll mit Riesenkakerlaken oder Ratten? Würde Miko jedoch wissen was der Buckelige wirklich meinte, wäre er mit Sicherheit in der Stadt geblieben.

 

 

 


         Viele Stunden sind schon vergangen und noch immer schleppt sich Miko erschöpft durch den Wüstensand. Seine Glieder sind erschöpft und am liebsten würde er einfach liegen bleiben und sich alsbald von der Sonne verbrennen lassen . . . wenn da nicht dieses seltsame Gebilde im Sand wäre. Miko fällt erschöpft auf die Knie und nimmt dieses eigenartige Ding genauer in Augenschein. Es ist nicht sehr groß, hat aber einen langen Stil mit breiten, runden Auswüchsen an den Seiten. Miko hat so etwas noch nie gesehen und als er es berührt, muss er unweigerlich die Hand zurückziehen, weil sich kleine spitze Dornen von diesem Stil in seine Finger gebohrt haben. Miko mustert das Ding mit schiefem Kopf argwöhnisch, währenddessen er seine schmerzende Hand reibt. In der Stadt ist alles fest und hart. Das hier aber ist weich, biegsam- ja geradezu lebendig! Ob es vielleicht essbar ist? Miko wagt es und reißt eines der runden Auswüchse ab, welches keine Dornen oder Stacheln besitzt. Als er darauf rumkaut, benetzt sofort ein bitterer Geschmack seine Zunge. Miko spuckt es sofort wieder aus und setzt noch ein paar Speicheltropfen nach, um den grässlichen Geschmack loszuwerden. Diese Pflanze ist nicht für ihn bestimmt, sondern für andere Kreaturen, die schon sehr bald die Oberhand über diesen Lebensraum gewinnen werden, aber das weiß Miko nicht - und er wird es auch niemals erfahren.


          Der schwache Sichelmond beleuchtet sanft einen Steilhang, welchen Miko nun in Augenschein nimmt. Sich aufrichtend sieht er das der Hang hinab in eine Talsenke führt, wo unzählige dieser Pflanzen von einem dämmrigen Licht erhellt werden. Das muss das besagte Tal sein, denkt sich Miko erfreut. Er ist bereits die ganze Nacht hindurch gelaufen und ein leichter Schimmer am Horizont verrät ihn, dass die tödliche Sonne bald aufgehen wird. Erst jetzt wird Miko bewusst das ihm kaum noch Zeit bleiben wird, weshalb er plötzlich panisch zu Rennen beginnt. Als er den Steilhang erreicht, stürzt er auf einmal kopfüber hinab. Der weiche Sand auf dem er hinab rutscht wird immer härter und rauer, je näher er dem Grund kommt. Schon bald schabt sein Rücken auf harten Gestein, ehe ihn eine heranrollende Sandlawine bedeckt. Ein dumpfer Aufprall beendet seinen Sturz.
        Als er die Augen öffnet erblickt er eine wuchernde Landschaft mit unglaublich hohen Stielen und riesigem Blätterwerk, welche Miko in Gedanken noch immer als „Auswüchse“ bezeichnet. In einer ausgewogenen Formenvielfalt steht Miko seiner erst kürzlich gemachten Entdeckung gegenüber. In diesem Dickicht erklingen die merkwürdigsten Geräusche: lautes Schrauben, Tröten, Klacken, Rascheln, Stampfen, Surren und viele unterschwellige Laute, die Miko noch nie zuvor gehört hat. Hinzu kommen Gerüche von süßen, herben und saftigen Sekreten dieser Pflanzen. Miko sieht eine fremde Welt vor sich, doch viel Zeit zum Staunen bleibt ihm nicht, weil der Himmel sich langsam rot zu färben beginnt. Schon bald wird der Sand kochend heiß sein und wenn die Sonne seine Haut streift, wird sie anfangen sich zu pellen und zu lösen. Er wird verbrennen. Instinktiv sucht er unter eines der großen Auswüchse Schutz, als die Sonne blendend grell über die Horizontlinie zu wandern beginnt. Wieder einmal presst er ganz fest die Augenlider aufeinander, aus Angst zu sterben. Doch die tödlichen Strahlen der Sonne erreichen ihn nicht. Sie kommen kaum durch das Baumkronendickicht, erzeugen jedoch ein mattgelbes Licht im exotischen Wald. Erst jetzt kann Miko die atemberaubende Farbenpracht sehen. In der Stadt aus Beton gibt es nicht viele Farben, aber das was er hier sieht, lässt ihn für einen Moment erstarren. Nicht nur das es hier saftige gelbe und grüne Farben an den Stielen und Auswüchsen gibt und einige Blüten Farben besitzen, die Miko noch nie zuvor gesehen hat. Es ist auch noch wesentlich angenehmer hier als in der tödlichen Wüste oder der heißen Stadt. Es ist ein feuchtwarmes Klima hier unten im Tal zwischen den hohen Pflanzengewächsen.

 

 


      

        Immer noch staunend bemerkt er nicht, wie hinter ihm langsam ein Ast lebendig wird. Es ist eine Schlange, die sich um den Stängel gewickelt hat und Miko nun mit einem Fauchen wieder ins Bewusstsein ruft, in welch eine Gefahr er sich gegenwärtig befindet. Schlangen sind jedoch keine „gigantischen Kreaturen“, denkt sich Miko und atmet erleichtert auf.
Er bahnt sich behutsam tastend einen Weg durch das Dickicht, immer darauf achtend das er nicht gegen eines der scharfen Dornen stößt. Vor Miko schwirren kleinere und größere Insekten wie Fliegen, Libellen und Schmetterlinge mit wunderschönen Flügeln. Viel interessanter für Miko sind jedoch die vielen Käfer, welche an den Stielen der Gewächse hinauf und wieder hinab auf die kühle Erde krabbeln. Miko zögert nicht lange und schnappt sich eine Handvoll Käfer. Als er damit seinen Magen gefüllt und seinen Hunger gestillt hat, fragt er sich warum niemand von den anderen Menschen hier hergekommen ist. Doch schon bald erhält er eine Antwort.
       Ein gigantisches Brüllen zieht plötzlich sein Trommelfell zusammen und seine Ohren beginnen entsetzlich zu schmerzen. Er presst verzweifelt beide Hände dagegen, dennoch beginnen sie unter den Schwingungen des markerschütternden Gebrülls zu bluten. Kurz darauf gerät alles um ihn herum in Panik. Schlangen verkriechen sich, Käfer suchen rasch Schutz in den kleinen Ritzen und allerlei Fluginsekten schwirren davon. Die Erde beginnt zu beben und die Stiele mit ihren Auswüchsen wackeln unter dieser Erschütterung hin und her. Ab und zu dringen ungehindert heiße Sonnenstrahlen auf den kühlen Boden und bringen den Grund zum Qualmen. Die Druckwellen reißen Miko auf einmal zu Boden. Als er wieder aufschaut, steht plötzlich eine Kreatur vor ihm, bei dessen Anblick er vor Schock erstarrt. Sie ist weitaus größer als das höchste Betongebäude der Stadt und ragt beinahe über die Wipfel der Stiele hinaus, doch die gefährliche Sonne richtet keinen Schaden auf der schuppigen Haut dieses riesigen Ungetüms an.

      Miko sieht einen Schädel so groß wie ein Haus, Augen so gigantisch wie der runde Mond am Nachthimmel und Zähne, so lang und messerscharf, dass ein einziger Biss genügen würde, eine ganze Schar von Dunkelratten zu vernichten. Das gesamte Gewicht des Ungetüms lastet auf zwei mächtig starken Beinen, die in langen Füßen mit scharfkantigen Krallen enden. Verhältnismäßig kleine Arme mit ebenso scharfen Krallen an den schuppigen Händen werfen einen großen Schatten auf Miko. Sein wuchtiger Riesenkörper hat sich zuvor an großen Geäst und Gestrüpp vorbei gezwungen und sein enormer Schwanz verliert sich nun irgendwo im dichten Wald. Auf dem Rücken trägt das rot geschuppte Tier einen Kamm aus Stacheln, zwischen denen sich eine dünne Haut spannt. Der feingliedrige Stachelkamm ragt ein wenig über die Baumkronen hinweg in den heißen Tageshimmel hinein. Als das Ungetüm plötzlich anfängt zu schnüffeln, kann Miko dort unten den Wind spüren. Eine einzige Bewegung dieser Kreatur und Miko würde zerquetscht werden, so wie er zuvor die Käfer zerquetscht hat. Mit einem lockeren Happen könnte das Monstrum ihn unzerkaut herunter schlucken.

 

 

 

 


     Mikos Herz rast vor Angst, als er glaubt das mächtige Ungetüm habe ihn erspäht. Doch Sekunden später wendet sich das Blatt. Gerade als die mächtige Kreatur den Kopf herabsenkt und ihn tatsächlich mit einem finsteren Seitenblick mustert, taucht plötzlich ein weiteres Monstrum auf und attackiert es von hinten. Das Ungetüm reißt seinen Kopf herum und sieht sich einem noch gefährlicherem Monster gegenüber. Wildes Kampfgebrüll lässt die Erde erzittern.
Miko löst sich endlich aus seiner Erstarrung und sucht sein Heil in der Flucht. Mit ihm fliehen unzählige Arten Insekten und Reptilien durch das Dickicht. Darunter eine Schar kleiner Eidechsen, wovon es hier recht viele gibt - in verschiedenen Rassen und Gattungen. Ein buntgefiederter Vogel fliegt unbeholfen haarscharf an ihm vorbei und flieht panisch vor dem Gebrüll. Er gleitet fast mehr als das er fliegt, da sein Federkleid an seinen knöchernen Armen herabhängt. Miko schließt sich wie selbstverständlich den fliehenden Geschöpfen an. Hinter ihm kämpfen noch immer diese gigantischen Reptilien miteinander. Sie haben kein Auge für die anderen Lebewesen dieses exotischen Tals. Sie tragen ihren Disput aus und das bis zum bitteren Ende.


     Bei seiner rasanten Flucht bleibt Miko plötzlich wie angewurzelt stehen. In einer breiten Lichtung entdeckt er einen aufgeschütteten Erdspalt an dessen Eingang verrostete Kanister liegen. Drum herum ist alles tot und leer und kein Gewächs sprießt aus dem trockenen Boden. Auf den Kanistern ist noch blass und kaum erkennbar ein unheimlich schwarzer Schädel mit einem Strahlenkranz zu erkennen. Miko kennt dieses Zeichen. Es bedeutet das dieses Gebiet hochgradig verseucht ist! Aber wieso wächst und wuchert hier alles, wo andernorts Tod und Verderben herrscht? Vielleicht bringen diese Kanister nur den Menschen den Tod aber Kreaturen wie diese Eidechsen, welche sich um die Kanister scharen, sterben dadurch anscheinend nicht, sondern werden groß und zu diesen entsetzlichen Monstern, schlussfolgert Miko mit Grausen. Eines ist jedoch sicher, er muss diesen Ort so schnell wie möglich verlassen, weshalb er nun panisch losstürmt.

 

 

 

 


         Miko begegnet auf seiner Flucht mehrmals diese riesigen Kreaturen, an denen er sich im Unterholz verkriechend, vorbei schleichen muss. Er sieht auch Kadaver, an denen kleinere aber auch mal größere Kreaturen fressen. In einem riesigen, offenen Monsterleib kann er zwei große Herzen sehen. Vielleicht wuchert bei den Bestien auch alles durch die Kanister, nur eben von innen, denkt sich Miko. Er hat zuvor keine Wesen gesehen, die am Tage so aktiv sind wie diese Ungeheuer. Vielleicht schlafen sie nachts? Miko hat keine Zeit um darauf vielleicht eine Antwort finden zu können, denn plötzlich hat ihn eine Riesenechse im Dickicht erspäht. Sie ist nur halb so groß wie die anderen Monster zuvor, doch Krallen und Zähne sind dennoch tödlich und sie ist nicht weniger gefährlich als ihre gigantischen Geschwister. Allein die großen Füße könnten ihn problemlos zermalmen. Nicht auszudenken wie es wäre diesem Schädel mit den langen Zähnen zu Nahe zu kommen. Jenes Maul, welches nun nach ihn zu schnappen versucht. Miko stürmt los und flieht, von Todesangst begleitet, durch das Gestrüpp. Dornen reißen seine Haut auf, doch er darf jetzt nicht langsamer werden, weil die Kreatur unmittelbar hinter ihm ist. Miko sieht sich schon tot und zerquetscht als Mahlzeit dieses gigantischen Räubers, bis er plötzlich einen Unterschlupf erspäht.
      In letzter Sekunde kann er sich durch die Felsspalte im Talgebirge zwängen. Das messerscharfe Maul des Jägers prallt Sekundenbruchteile später gegen das harte Gestein, so dass die Wände des Talberges erzittern. Brüllend vor Wut weil sein Opfer entkommen ist, steht das Ungeheuer noch eine Weile vor der Felsspalte, bis es endlich im Dickicht verschwindet, um sich eine neue Beute zu suchen.
     Als Miko erleichtert aufatmet, bemerkt er jedoch nicht wie zwei große, funkelnde Augen ihn aus dem Dunkel der Höhle anstarren. Diese Flucht ist ihm gelungen und er ist sicher. Doch wie lange noch?

 

 

Kapitel 4 wird bald folgen

 

 

Avi


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1. Miko


Die Sonne brennt heiß an diesem Tag. Doch wann lodern die flammenden Strahlen der Sonne mal nicht und drohen mit ihrer Hitze die mächtigen Bestonwüsten der Ruinenstadt zu verbrennen? An so einem Tag, vor allem am Nachmittag, ist es nicht ratsam die schützenden Schatten der Betonskelette, einst mächtige Hochhäuser einer blühenden Wirtschaftsmetropole, zu verlassen. Ein Schritt ins Freie würde den sicheren Tod bedeuten.
Das weiß auch Miko, der sich in eine verrostete Kiste verkrochen hat, um dort ein wenig Schlaf zu finden. Doch dies will ihm einfach nicht gelingen, da sein lautes Magenknurren ihn immer wieder aus den Schlaf reißt. Getrunken hat er seit gestern Nacht auch nichts mehr und es ist fraglich ob er an der Wasserquelle in der Stadt noch etwas abbekommt, bevor der Morgen graut und die Sonne den Wüstensand erneut zum Kochen bringt.
              ‘Einmal pro Nacht trinken, für Essen muss selbst gesorgt werden‘ lautet ein Schild an der Quelle. Miko kann nicht lesen aber auch ohne einen Blick darauf geworfen zu haben, weiß jeder was gemeint ist, da es an der Quelle mehrmals wiederholt wird. Dort herrschen strenge Gesetze und jeder hält sich daran, wenn er etwas abbekommen will.
Die Quelle. Das ist eine verrostete Wasserleitung, welche nur bedingt Wasser freigibt. Miko hat davon gehört das die Quelle zwei Jahre vor seiner Zeit für einige Wochen versiegt war und kein Wasser mehr aus dem dünnen Hahn tröpfelte. Viele Menschen aus der Ruinenstadt waren daraufhin verdurstet. Seit da an fürchten sich die Menschen jeden Abend vor einem erneuten Versiegen des Wassers oder einem Defekt in der Leitung, welcher vor vielen Jahren der Grund war das so viele Menschen sterben mussten. Aber auch an Nahrungsmangel und falscher Ernährung in Form von Unrat und ungenießbarem oder verstrahltem Essen sind schon viele Menschen gestorben.

 

 

 

 

           Es ist bereits drei Tage her seit Miko etwas Vernünftiges gegessen hat. Ihm ist schwindelig und er wird ab und an von Schwächeanfällen heimgesucht. Zudem kommt jeden Tag diese erdrückende Hitze, die seinen jungen Kreislauf belastet. Wie soll er in dieser Verfassung selbst für Essen sorgen, fragt er sich, zumal es doch kaum noch etwas gibt.
Am liebsten würde er einfach in dieser Kiste liegenbleiben und auf den Tod warten, der ihn früher oder später heimsuchen wird - genauso wie er schon zu all seinen Freunden gekommen ist, die er aus der Stadt kannte.

          Sich seiner Verzweiflung hingebend überhört er das leise Rascheln, welches nur allmählich in sein Bewußtsein vordringt. Es kristallisiert sich das Geräusch von spitzen Krallen heraus, die eifrig in einem Müllberg herumwühlen. Der Müllberg bestehend aus verrosteten Konservendosen (die schon dreißig oder vielleicht vierzig Jahre alt sind) und Metallteilen steht direkt neben seiner Kiste aufgetürmt. Es sind Dinge die Miko in der Stadt zusammengesucht hat, um vielleicht handeln zu können. Zuvor hatte auch er diese Dinge sorgfältig nach etwas Essbarem durchsucht. Die einzige Kreatur in der Stadt die eine ähnliche Affinität an den Tag legen kann wie er zuvor ist eine Dunkelratte. Dies ist ein, meist in Schatten und Untergründen hausender Parasit von enormer Größe und viel Fleisch, wie Miko in Gedanken ergänzt. Er öffnet abrupt die Augen, beflügelt von neuer Hoffnung heute vielleicht nicht mehr hungern zu müssen. Jagdbereit richtet er sich langsam in der Kiste auf und hebt vorsichtig den leichten Deckel an. Durch den Spalt erblickt er ein großes Getier mit struppigem Fell und durchdringenden Augen, welches energisch im Haufen herumgräbt. Es ist gefährlich für Miko sich mit einer Dunkelratte anzulegen. Das Untier mit den scharfen Zähnen reicht ihm bis zur Hüfte.

          Miko ist noch nicht sehr alt und er weiß das er ohne eine Waffe kaum eine Chance gegen diese Ratte haben wird. In dem diffus beleuchteten Betonraum kann Miko durch den Spalt in der Kiste an der gegenüberliegenden Wand einen Metallstab ausmachen. Er wäre eine perfekte Schlagwaffe, denkt sich Miko. Doch plötzlich beginnt sein Magen ganz laut zu Brodeln und die große Dunkelratte hebt ihren Kopf mit dem breiten Schädel und den funkelnden Augen. Ihre Nase wittert wild in alle Richtungen und ihre Schnurrhaare zucken nach vorn. Kaum merklich nimmt sie ihre Pfoten mit den scharfen Krallen aus den Haufen und stellt sich auf die Hinterläufe. Aufmerksam sieht sie sich um. Das riesige Ungetüm buckelt sich kurz darauf und beginnt in dem schattigen Betonzimmer suchend umher zu schleichen. Wenn Miko nicht aufpasst, wird sie ihn beißen oder mit ihren scharfen Krallen verletzen. Eine Verletzung, und sei sie auch noch so gering, könnte schnell zur Entzündung, einer gefährlichen Krankheit oder sogar zum Tod führen und dann wäre Miko das Opfer dieser struppigen Riesenratte.
            Der Kampf ums Überleben ist nicht einfach, aber Miko weiß worauf er sich einlässt. Wenn er nicht versucht die Ratte zu erlegen, wird er höchstwahrscheinlich an Hunger sterben. Miko hat keine Wahl, weshalb er es nun wagt trotz seiner Angst aus der Kiste zu steigen und lautlos Richtung Metallstange zu schleichen. Trotz seiner Leichtfüßigkeit hat das Untier ihn bereits gehört. Die kleinen Ohren zucken und plötzlich schnellt die Dunkelratte um ihre eigene Achse und stürmt auf ihn zu. Ihre Schnauze gibt nun zwei messerscharfe Schneidezähne frei und Miko weiß das sie ihn damit an die Kehle springen will. Panikartig schnappt er sich die Stange und wehrt im letzten Moment die Sprungattacke des Untiers ab, taumelt jedoch und prallt, weil seine Kräfte versagen, gegen den nackten Beton. Mit dem Rücken zur Wand weicht er einen weiteren Angriff nur knapp mit einer Drehung zur Seite aus, bei welcher das Untier mit dem stämmigen Körper hart gegen die Wand prallt. Fauchend richtet sie sich wieder auf, bereit erneut anzugreifen.

 

 


        Gegen so eine gewaltige Kraft hat Miko keine Chance, dass wird ihm nun schmerzlich bewusst. Kaum zu Ende gedacht, springt die Dunkelratte erneut auf ihn zu. Ihre Zähne verfehlen seine Kehle nur um Haaresbreite, als er die Stange im letzten Augenblick zur Abwehr erhebt. Mit enormer Kraftanstrengung, welche Höchstleistungen von seinem rasenden Herzen fordert, kann er das stinkende Ungetüm von sich stoßen. Miko bleibt nur noch die Flucht. Ohne weiter nachzudenken stürmt er los. Er verflucht sich dafür als Jäger so kläglich versagt zu haben. Letztendlich wird er sich erschöpft und hungriger als zuvor irgendwo verkriechen müssen. Miko ist wütend auf sich selbst und am Rande der Erschöpfung. Sich beinahe überschlagend stürmt er einen Trümmergang entlang, dicht gefolgt von der ebenso hungrigen Riesenratte, die ihre Beute nicht aufgeben will. Seine Beine lahmen bereits und er weiß das er diese Hetzjagd nicht überstehen wird. Seine Haut ist benetzt mit kühlen Schweiß und seine dunklen, langen Haare kleben in seinem Gesicht und am Hinterkopf. Es ist stickig heiß und er bekommt kaum noch Luft. Doch plötzlich hört er in dem diffusen Gebäude eine Stimme. „Da ist sie!“ ruft jemand.
        Er flüchtet so schnell er kann, doch das hastige Schaben von Krallen auf Beton hinter ihm im Gang wird immer lauter. Das Biest kommt unmittelbar näher. Miko kann nicht mehr. Seine Kräfte lassen nach und er bricht zusammen. Jetzt ist alles vorbei, denkt er sich bitter. Er schließt die Augen, damit er nicht mit ansehen muss wie er getötet wird. Ein lauter Knall, dicht gefolgt von einem dumpfen Aufschlag und ein lauthals zerberstender Schädel beenden diese Hetzjagd abrupt.
        Mikos Herz rast, was bedeutet, das er noch lebt!


Schwer atmend öffnet er die Augen. Vor sich sieht er eine Gruppe von Menschen, die nahezu in seinem Alter sind. Wieviele es genau sind kann Miko nicht einmal schätzen, da er nicht zählen kann. Für ihn sind es nur „viele“ Menschen - eine „Sammlung“. So nennen sich Gruppierungen, die gemeinsam jagen und nach Essen in den Trümmern einer Stadt suchen. Eine Stadt, welche einst Symbol für Reichtum und Fortschritt gewesen war.
Das diese Menschen im allgemeinen noch sehr jung sind, ist nicht verwunderlich, da Menschen in dieser Zeit nicht sehr alt werden. Männer sterben meist vor dem ersten Bartwuchs und Frauen haben in der Regel nicht mal die Chance ein Kind auszutragen. Und wenn ein Kind doch mal das lodernde Licht dieser heißen Welt erblickt, ist es meist missgebildet oder stirbt wenige Monate später an Hunger, Durst oder Krankheiten.

         An der Quelle hatte Miko einmal einen Mann mit Bart gesehen, doch er ist schon lange tot. Obwohl es jede Woche weniger Stadtbewohner gibt, sind die Chancen etwas Wasser an der Quelle zu bekommen dennoch schlecht, da es viele Pilger von außerhalb der Stadt gibt.
Doch Miko hat nun ganz andere Probleme. Wortlos muss er mit ansehen, wie die „Sammlung“ Teile der Dunkelratte unter sich aufteilt. Sie werden nicht mit ihm teilen, soviel ist sicher. Er wird weiter hungern müssen. Miko könnte sich natürlich auch der „Sammlung“ anschließen, aber als Neuling würde er kaum etwas zu Essen bekommen und in allem benachteiligt sein. Zudem wäre er dort nur der Prügelknabe und das will er nicht sein. Nein, allein hat er es besser, da ist er sich sicher. Erschöpft und hungrig richtet er sich auf, um zu seiner Kiste zurückzugehen, ehe jemand anderes darin Platz findet. Miko ist am Boden zerstört. Hätte er es geschafft die Dunkelratte zu erlegen, wäre sein Bauch nun mit einem Festmahl gefüllt. Aber jetzt machen sich die anderen darüber her und versuchen ihren Hunger zu stillen. Dies ist wieder einmal einer jener Tage in Mikos Leben, wo er nicht weiß warum er eigentlich auf dieser schrecklichen Welt ist. 

        Eine Welt bestehend aus Hitze, Feuer, Hunger, Durst, Krankheiten und Tod.
Doch er lebt.

 

 

2. Kein Tropfen Wasser

 


Bald wird es dunkel. Miko beobachtet aus seinem Zimmer durch einen Spalt im Beton wie die brennende Sonne langsam Richtung Horizont herabsinkt. Er kaut unterdessen auf den Rest eines großen Käfers herum, welcher seinen Magen etwas beruhigen wird. Nach dieser Mahlzeit wird er jedoch um so hungriger sein, da sein ausgehungerter Magen nach mehr verlangen wird. Doch dies ist der einzige Käfer den er hatte finden können. Miko betrachtet traurig den Rest in seiner Hand und schiebt ihn langsam in seinen Mund. Es knirscht und knackt und die Fühler fahren ihm ins Zahnfleisch, aber schon bald ist die Mahlzeit vertilgt und sein brodelnder Magen beginnt eifrig mit der Verdauung. Hungrig hält er nach weiteren Käfern Ausschau, aber viel Zeit wird ihm nicht bleiben, da er sich beeilen muss, wenn er an der Quelle noch etwas abbekommen will.

 

 

 


Ein langer Weg führt durch das Gebäude, welches nach außen hin immer mehr zu eine Art Gerüst wird, durch dessen Betonskelett und Planken aus Metall in den oberen Stockwerken bereits die ersten Sterne funkeln. Miko mag das Dach aus flimmernden Lichtern. Der brennende Tag bedeutet den Tod aber die Nacht ist lebendig. Jedoch wagen sich nachts auch allerlei Kreaturen heraus, die sehr gefährlich sind. Mächtige Riesenkakerlaken, Würmer, Schlangen und viele Arten gefräßiger Kriech- und Krabbeltiere machen die Nacht unsicher und suchen hungrig nach Beute. Einmal hatte sich Miko in dem Netz einer haarigen Riesenspinne verfangen, konnte zum Glück jedoch ohne ernstere Verletzungen entkommen. Dort war er einmal mehr einem grausamen Tod entkommen.
             Es ist noch immer heiß als er ins Freie tritt. Unter seinen nackten Füßen fühlt er harte, aufgesprungene Erde mit scharfen Rissen. Wie schwarze Riesen erheben sich die Betonruinen der großen Stadt in den Nachthimmel. Der silberne Sichelmond lugt an der Spitze eines Gebäudes vorbei und spendet ein wenig Licht auf den spröden Sandstraßen, die sich durch die gesamte Ruinenstadt ziehen. Aber auch ohne lichtspendendes Mondlicht weiß Miko wo er lang gehen muss. Er könnte den Weg zur Quelle auch blind finden. Ebenso wie die anderen Menschen der Stadt, die Miko nun über Trümmerhaufen steigen sieht. Auch sie haben nur ein Ziel in dieser Nacht: die Quelle.
Miko schreckt auf als er einen lauten Knall hört. Sich umdrehend erblickt er zwei Jungs die fast noch Kinder sind. Sie kämpfen erbittert gegeneinander. Immer wieder schlagen sie aufeinander ein und wenn einer zu Boden geht, tritt der andere brutal nach, mit dem energischen Versuch seinen Gegner zu töten. Meist jedoch erwischt es den Trümmerhaufen, was vor wenigen Sekunden diesen Knall erzeugt hat.

           Miko kann nicht sagen wie es geschehen ist, aber plötzlich ist einer von ihnen mit einem Stein bewaffnet und zertrümmert kurz darauf seinen Widersacher den Schädel. Der Gewinner nimmt eine fette und saftige Raupe an sich und beginnt sie hungrig zu verspeisen. Miko weiß nun, dass die nahrhafte Raupe der Grund für diesen tödlichen Disput gewesen ist. Der Kampf um Nahrung ist für Miko nichts Ungewöhnliches. Miko wendet sich ab und beginnt sich zu beeilen.
Er muss nur noch über wenige Trümmerteile steigen und schon hat er die Quelle erreicht. Es herrscht dort ein reger Andrang, wie Miko missmutig beobachten kann. Viele Menschen tragen Fackeln oder ähnliches Brennmaterial bei sich, so dass der Platz nun hell erleuchtet ist. Brennbar ist nahezu alles in der Stadt, denkt sich Miko, nur zu Essen gibt es nichts.

 

 

 


            Die Menschen die dort im Licht der Fackeln versammelt sind haben die schlimmsten Leiden. Mikos Nase vernimmt die verschiedensten Gerüche von Körperausscheidungen wie Schweiß und Blut, bis hin zu Eiterungen und verbrannter Haut. Sehr viele haben Beulen, geschwollene Glieder und Tumore. Die meisten Betroffenen sind Pilger die durch ein verseuchtes Gebiet gezogen sind, bevor sie die Quelle erreicht haben. Bei den vielen Missbildungen der Stadtmenschen ist es beinahe ein Wunder das Miko noch alle Glieder am Leib hat. Manch einer kann sich nur mit großer Mühe auf den Händen fortbewegen. Für Miko ist dies alles ein gewohnter Anblick, doch etwas ist heute anders. Das wird ihm mit einem Mal bewusst, als er sieht wie unruhig sich die Menge vor der Quelle verhält. Miko eilt flugs ins Zentrum des Geschehens und erhascht einen flüchtigen Blick auf den rostigen Wasserhahn. Er ist sehr klein und vom Rost nahezu zerfressen. Der Hebel auf ihn lässt sich nur schwer drehen. Wenn man ihn nach links dreht, kommt kein Wasser. Dreht man ihn jedoch nach rechts, tröpfelt er meist rapide. Der Hebel ist derzeit nach rechts verschoben, aber es kommt kein Wasser heraus!
          Mit offenem Mund steht Miko da und sieht zu wie die Menge langsam in Panik gerät. Er ist durstig und erschöpft und nun hat er keine Chance mehr an Wasser zu kommen.
Plötzlich fallen Fackeln zu Boden und ein wildes Gemurmel bricht aus. Einige missgebildete Gestalten stürmen vor, ziehen an dem Hahn und hämmern wild dagegen. In der Hoffnung ihn doch noch einige Tropfen zu entlocken. Doch es hat keinen Sinn, denn der Wasserhahn - die Quelle - ist versiegt.
Miko lässt sich verzweifelt zu Boden fallen, währenddessen viele Menschen aufeinander losgehen. Einige jedoch wenden sich wortlos ab und ziehen sich in die Betonruinen zurück, um dort auf den Tod zu warten.
„Ich habe von einem Pilger gehört, dass es noch etwas Wasser in der Halbwüste gibt. Einige Menschen haben sich dort niedergelassen“, hört Miko jemanden reden. Er schaut sich suchend um und erblickt zwei buckelige Gestalten, die ihre Köpfe zusammengesteckt haben.
         „Um dort hinzukommen muss man das Tal durchqueren. Unmöglich zu schaffen in dieser Nacht! Man kann im Tal nicht den tödlichen Tag entkommen, weil es dort gigantische Kreaturen gibt, die dich auffressen werden.“ Enttäuscht wendet sich einer der beiden Buckligen ab. Der Zurückgebliebene blickt mit einer Mischung aus Sehnsucht und Verzweiflung Richtung Horizont, welcher durch zwei Betonskelette der Stadt hindurch zu sehen ist. Damit verrät er Miko den Weg.
         Miko hat nun die Wahl hier zu sterben oder es zumindest zu versuchen diese Reise zu wagen. Er richtet sich entschlossen auf. Die zwei Buckligen hätten den Weg sicherlich nicht überstanden. Miko jedoch hat zwar eine geringe aber immerhin noch eine Chance. Zielsicher macht er sich auf den Weg.
Ein junger Mann, dem ein  Arm fehlt, schaut Miko wortlos hinterher. So lange bis Mikos Silhouette eins wird mit dem Nachtschatten der Betonruinen. Kurz darauf wendet er sich ab und nimmt neben den Wasserhahn Platz, um dort auf die morgendliche, brennend heiße Sonne und somit auf seinen Tod zu warten.


 

 

Fortsetzung der Kapitel 3 - 7 dieser Endzeitgeschichte werden bei Bedarf folgen.

 

 

Avi


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Unter fremden Sternen

 


Die Sterne sind das einzig Tröstliche in diesem einsamen und von Felsen zerklüfteten Ort. Tailor presst seinen Kopf gegen die Scheibe bis seine Stirn zu schmerzen beginnt. Je länger er diese fremden Sternbilder betrachtet, desto stärker wird die Sehnsucht nach der Heimat. Wehmütig denkt er an den stolzen Orion mit seinen Hunden, welchen er einst durch sein Kinderteleskop von der Erde aus betrachtet hat. Schon seitdem er denken kann wollte Tailor Raumfahrer werden. Das war zu einer Zeit, wo die Sterne noch funkelten und wo alles noch aufregend und neu war. Er wollte mit seinem ambitionierten Traum Raumfahrer zu werden der Menschheit dienen. Doch alles worauf er jetzt blickt ist sein Grab.

 


An den Absturz kann er sich gar nicht mehr erinnern. Er weiß nur noch wie er aufgrund einer technischen Panne am Schiff vom Kurs abgekommen und mitten in dieses Asteroidenfeld geraten ist. Hier draußen ist nichts. Nur Felsen und ewige Finsternis. Die Sonne (im Sternenkatalog als S_34A-7 bezeichnet) ist zu weit entfernt, um dauerhaft Licht spenden zu können. Diese Aufgabe übernehmen nun die Außenscheinwerfer des Raumschiffes. Doch alles was sie anleuchten sind silberfarbene Felsen. Am Unheimlichsten sind jedoch die Schatten, welche sich über die kleinen Krater legen und diese vollkommen ausfüllen. Drei Tage lang hat er sie intensiv beobachtet und ab und an glaubt er sogar Gestalten darin erkennen zu können. Er weiß das es nur Suggestionen seines Gehirns sind, doch wenn er länger auf die Schatten starrt, wird er früher oder später nicht mehr wissen was nun real und was Einbildung ist.

 

 

 

 

„Hör auf diese beschissene Aussicht anzustarren“, knurrt sein Bruder. Russel ist ziemlich angespannt in letzter Zeit. Kein Wunder, hat er doch fieberhaft nach einem Ausweg aus dieser Katastrophe gesucht. Russel ist eigentlich Techniker, doch für diese Mission hat er sich (genau wie Tailor) freiwillig gemeldet. Sie sind zwar Brüder, doch seitdem sie die 30 weit überschritten haben und vollends von ihren Jobs eingenommen werden, haben sie sich kaum mehr gesehen. Dieser kleine Ausflug mit Tailors Transitraumschiff der Klasse Behemoth sollte sie näher bringen. Das hat es in der Tat, jedoch auf eine andere Weise wie es sich deren Vater wohl gewünscht hätte. Tailors Vater ist stolzer Besitzer zweier Linienraumschiffe, welche regelmäßig zwischen Mars und Erde verkehren. Seine Söhne sind zu ehrbaren Männern herangereift. Einer ist Raumpilot und der andere ein Techniker der Flotte. Das ist etwas, auf das man stolz sein sollte. Doch Tailor wüsste nicht wie sich sein Vater nun fühlen würde, wenn er wüsste das er für dieses Unglück verantwortlich ist.

 


Ja, es war Tailor. Er hätte vor dem Abflug den Druck checken und das beschädigte Rohr, welches er bei der letzten Inspektion entdeckte, doppelt abdichten oder gar austauschen müssen. Eine ganz simple Sache bei so einem alten Transitschiff. Er hat es jedoch nicht getan, weil er an Marissa denken musste. Die Trennung, der Schmerz . . .
Der Auftrag einen Techniker und einen Biologen zur M5 Kolonie zu fliegen war so einfach. Und er hätte damit seinen Kopf vollends von all diesen schmerzlichen Gedanken befreien können. Aus diesem Grund riet ihm auch sein Vater seine Lethargie abzulegen und dieses Unterfangen wahrzunehmen. Nicht zu vergessen war auch die Tatsache das er seinen Bruder nach sieben Jahren Funkstille wieder hatte sehen können. All das wäre so einfach gewesen, doch seine Unachtsamkeit hat das Raumschiff abstürzen lassen. Der stetig ansteigende Druck hat den hinteren Antrieb zerrissen. Ein Großteil der Technik an Bord ist ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen worden. Die Ganze Rettungsaktion mit den flüchtigen Reparaturen an Bord, dem Abwurf des Ballastes, sowie ein Flüchtigkeitsfehler in der Neuberechnung einer Alternativroute in Richtung der nächstliegenden Raumbasis Ceta_6, hat sie zudem vollkommen vom Kurs abkommen lassen. Und jetzt sitzen sie auf diesem Asteroiden fest. In einer Ruine, welche einst sein Raumschiff gewesen ist.

 

 

 

 

Tailor wendet sich vom Fenster ab und schaut zum Biologen Seb. Ein ziemlich ausgemergelter Schatten von einem Mann, geht es Tailor durch den Kopf. Eifrig schraubt er an der Funkanlage, währenddessen sein Bruder Russel daneben steht und ihn grimmig beäugt.
„Den Kupferdraht würde ich noch ein bisschen mehr verzwirbeln.“ Alles was Russel sagt, klingt wie ein Befehl, auch wenn er es nicht so meint. Russel ist ein ziemlich harter Kerl, welcher einst bei der Armee gedient hat. Doch als er seine Freunde hat sterben sehen, reichte er seine Kündigung ein. Diese Situation hat ihn noch härter werden lassen als er ohnehin schon war. Tailor weiß nicht wieso, aber er erinnert sich gerade an dem Moment als sie beide noch Kinder waren und Russel ihn vom Baumhaus gestoßen und beinahe das Rückgrad gebrochen hatte. Ein kleiner aber vollkommen legitimer Unfall unter Kindern, hieß es später.
„So müsste es gehen.“ Seb lehnt sich zurück, betrachtet sein Werk und atmet kaum hörbar auf. „Jetzt können wir wieder funken. Ich hatte schon Angst, weil es ausgefallen war.“
„Funken, pha! Was bringt uns das? Hier ist niemand der es hören könnte. Wir sind so weit ab vom eigentlichen Kurs und noch dazu in diesem Gott verlassenen Asteroidenfeld, dass uns kein Schwein findet.“
„Wir können den Antrieb nicht reparieren“, wendet Tailor besorgt ein. „Das Schiff ist in der Mitte komplett auseinander gebrochen. Und selbst wenn es nicht beschädigt wäre, so wäre ein Start nicht möglich. Das ist ein Raumschiff und kein Shuttle.“
„Erzähl mir was Neues, Kleiner“, knurrt Russel.
„Das heißt, wir sind auf Hilfe angewiesen.“ Seb zieht das Mikrofon zu sich heran und spricht abermals, wie schon eine Woche zuvor beinahe jede halbe Stunde, seinen verzweifelten Hilferuf.
„Das bringt doch alles nichts.“ Russel ballt seine großen Hände zu Fäuste. „Wir können nicht einmal hören ob uns jemand antwortet, weil der Transmitter kaputt ist.“
„Sollen wir etwa Leuchtfeuer aussenden?“ fragt Tailor wie zum Hohn. Russels Blick ist so durchdringend, dass Tailor bald selbst glaubt, er könne ihn damit töten, wenn er auch nur länger hinschaut. „Was sollen wir denn sonst machen? Alles was wir tun können ist um Hilfe zu rufen.“
„Auf einer Frequenz die Monate lang brauchen wird, bis sie auf einen Empfänger trifft. Ich will dich nicht noch einmal daran erinnern wie wenig Transitschiffe hier durchfliegen.“
Tailor würde noch viel mehr sagen. Er würde diskutieren und sich gegen Russels schlechte Stimmung zur Wehr setzen, doch lohnt sich all das überhaupt noch? Russel hat Recht. Es wird keine Hoffnung geben. Die Vorräte sind fast aufgebraucht und sie trinken seit zwei Tagen das Kühlwasser um überleben zu können. Transitschiffe sind seit Erfindung des Hyperraumfluges nicht mehr für lange Reisen geschaffen. Für den Notfall gibt es Rationen für einen Monat. In diesem Raumschiff, für welches er hätte verantwortlich sein müssen, hat er weit weniger deponiert. Dass sie abgestürzt sind und nun verhungern werden ist allein seine Schuld.

 

 

 


Zweiter Gang links. Weiße, sterile Wände und blaue LED- Leisten soweit das Auge sehen kann. Tailor folgt den Gang. Ende. Hier ist der Schott dicht, weil das Schiff ab diesen Punkt in der Mitte zerrissen ist. Umdrehen und zurück gehen. Er geht an einem Fenster vorbei, stoppt und macht einen großen Rückwärtsschritt. Er presst seinen Kopf gegen die Scheibe. Da draußen sind sie. Diese Sterne, welche ihn wie zum Hohn anschauen. Lachen sie ihn aus? Nein. Das machen die Schatten. Sie verbergen sich zwischen den Kratern und silbernen Felsen des Asteroiden. Tailor starrt auf einen schwarzen Fleck. Er schreckt auf als er zwei rot leuchtende Augen erkennen kann. Verwirrt wischt er über seine schmerzenden Augen. Er presst kurz darauf ganz fest seine Lider aufeinander. Da sind sie wieder... diese roten Augen. Tailor ist erleichtert. Es ist doch nur eine Einbildung. Da draußen sind also keine Monster. So wie damals in seinem Schrank, wo sein Vater nachgeschaut hat und nichts weiter als seine Jacken und Shirts vorgefunden hat.
Warum erinnert er sich plötzlich an solch banale Dinge aus seiner Kindheit? Tailor weiß es nicht. Sein Magen beginnt plötzlich laut zu brodeln. Hunger... Er hat heute kaum etwas getrunken, doch all das Wasser reicht nicht aus, um seinen Magen zu füllen. Die letzte Konserve wurde gestern aufgebraucht. Ab jetzt läuft ihnen die Zeit davon, denn sie werden mit großer Sicherheit verhungern. Wegen ihn. Ja, jetzt weiß er es. Diese Augen draußen vor dem Raumschiff und in seinem Innern gehören zu ihm. Er ist dieser Dämon, der sie alle ins Verderben gestürzt hat. Es ist seine Schuld. Seine Schuld. Mit diesen Gedanken im Kopf zieht Tailor weiter seine Runden in den engen Gängen dieser halbierten Raumschiffruine.

 

 

 

 


Das Perpetuum arbeitet unaufhörlich und erzeugt Strom und Licht. Kleinste Teilchen ziehen sich an, prallen aufeinander und lösen eine nie endende Kettenreaktion bestehend aus Geburt und Teilchentot aus. Ähnlich wie bei einer Supernova entstehen aus der freigesetzten Energie neue Teilchen, welche wiederum aufeinander prallen. Dieser atomare Prozess, in einem Prexilanus erzeugt, wird von Laien gerne als Perpetuum bezeichnen. Wenn doch der menschliche Kreislauf ebenfalls aus dem Nichts Energie erzeugen könnte... Tailor kann sich kaum noch auf den Beinen halten. Müde beobachtet er den Streit zwischen Russel und Seb.
„Es gibt noch Hoffnung!“
„Was redest du da? Wir sind verloren und verhungern hier genauso wie einst Leika in der russischen Raumkapsel. Mit uns geht es qualvoll zu Ende. Wo ist da noch Hoffnung?“
brüllt Russel mit all seiner noch verbliebenen Kraft.
„Überall dort wo es Leben gibt, sollte auch die Hoffnung existieren. Das habe ich schon auf meinen zahlreichen biologischen Forschungsreisen gelernt.“
„Wir sind aber nicht auf einer beschissenen biologischen Forschungsreise“
, spuckt er seine Worte mit einem Schwall Speichel dem armen Biologen ins Gesicht. „Hier draußen gibt es nur Stille, Kälte und den Tod.“
„Das mag sein, doch wir dürfen nicht aufgeben.“ Er sieht so erbärmlich aus in seinem weißen Kittel und mit dem Wildwuchs als Bart in seinem Gesicht. Auch Tailor hat sich seinen Bart stehen und wachsen lassen in der Zeit, weil es wichtigere Dinge gab. Doch so wie Seb jetzt aussieht, ähnelt er eher einem verrückt gewordenen Wissenschaftler. „Wie oft stand ich schon vor der Sauerstoffanlage?“ kommt es kraftlos über seine schmalen Lippen. Er wischt sich Russels Speichel aus seinem Bart und atmet tief durch. „Ich habe sehr oft überlegt, ob man nicht einfach unseren Tod beschleunigen kann. Doch es hat keinen Sinn das Letzte aufzugeben was der Mensch noch an Wert besitzt. Ich meine damit unsere Hoffnung.“
„Beschleunigen . . .“ Russel überlegt kurz. Dann schaut er auf, greift auf die Platte eines Tisches, welcher neben der Schiebetür steht, und umschließt mit seinen fleischigen Händen einen Schraubenschlüssel. „Ich kann dir zeigen wie schnell sich Hoffnung in Luft auflösen kann.“
Seb reißt erschrocken seine Augen auf, doch es ist zu spät. Zu spät für Tailor einzugreifen und zu spät für Seb auszuweichen. Der Schraubenschlüssel trifft mit voller Wucht auf seinen Schädel. Es knackt, und auch als Seb zusammenbricht und leblos zu Boden sackt kann Tailor das Geräusch noch als Nachhall in seinen Ohren hören. Russel lässt geschockt den Schraubenschlüssel fallen, weicht zurück und prallt mit seinem Rücken hart gegen die Bordwand. Er sackt zu Boden, um dort über fünf Stunden hinweg regungslos sitzen zu bleiben.

 

 

 

 

 

Linker Flurgang. Geradeaus, an der Kombüse vorbei. Stehenbleiben. Tailor schaut aus dem Fenster. Die glühenden Augen zwischen den Schatten werden immer mehr. Kein Wunder, sind die Dämonen jetzt auch im Schiff. Tailor atmet tief durch. Er hat Sebs Tod zu verantworten und nicht sein Bruder. Wie es Russel wohl gerade gehen mag? Tailor macht sich auf den Weg. Links, Rechts, eine kleine Leiter hinauf, am Maschinenraum vorbei und geradeaus zum Cockpit. Dort sitzt er noch immer. Diesmal jedoch direkt neben der Leiche.
„Russ?“ Seine eigene Stimme kommt ihn nun so fremd vor.
„Schleichst du immer noch durch die Gänge oder schaust raus?“ Russel blickt nicht einmal auf. „Du solltest das lassen, sonst verlierst du noch deinen Verstand.“
„Steh auf und lass die Leiche in Ruhe.“
„Leiche? Er hatte einen Namen und dieser war Seb! So wie meine gefallenen Kameraden im Krieg auch Namen hatten. Greg, Warder, Buck, Jester ...“
Russel erhebt sich mühsam. „Seb glaubte doch tatsächlich das wir noch Hoffnung haben.“ Er lacht kurz humorlos auf. „Was für ein Trottel.“
„Wir sind verloren.“
„Ja, Bruder. Du weißt das. Wie damals als wir noch klein waren und wussten das unsere Mutter sterben wird.“
„...ja.“
„Unser Tod wird nicht qualvoll sein. Seb hat es hinter sich. Wir sollten es auch beenden.“
„Wie willst du das machen? Den Schott öffnen?“
„Nein, Tailor. Wir gehen mit einem Feuerwerk.“
Russel schaut sich um und als sich ihre Blicke treffen, weiß Tailor was er vorhat. „Bist du dabei?“
Tailor nickt.

 

Seit einigen Stunden arbeiten sie nun schon eifrig daran den Prexilanus umzuprogrammieren. Russel hat den Transfaktortransponder aus der Funkanlage entfernt und verwendet nun dessen Bauteile, um eine Überbrückung zwischen dem Hypermotor und dem noch verbliebenen Teil des Schiffswracks herzustellen. Wenn es zündet, soll es durch das gesamte Schiffsinnere gehen. Somit muss die Druckwelle durch die Rohre und Kabel geleitet werden, ehe das Schiff (ähnlich wie eine Flasche unter zu hohem Druck) nach außen zerspringt. All das würde von einem gewaltigen, wenn auch recht lautlosen Knall auf dem Asteroiden begleitet werden.
Tailor macht die Arbeit Spaß. Endlich wieder etwas Sinnvolles tun. Er hatte schon vollkommen vergessen was es heißt glücklich zu sein. Ab und an wünscht er sich, dass sie niemals fertig werden würden, doch was kommt dann? Tailors Stimmung trübt sich wieder. Ein qualvoller Tod durch Verhungern ist die bittere Realität und somit auch die Antwort auf seine unausgesprochene Frage.
„Fertig.“
Es ist nur ein Wort von Russel, aber es versetzt Tailor in Angst und Schrecken. Jetzt ist es vorbei. „Nur noch den Schalter umlegen“, haucht er angstvoll.
„Sei doch kein Schisser.“ Russel lacht. „Wir legen den Schalter um und dann ist es innerhalb von 30 Sekunden vorbei. Erst kommt die Leitung durch das Schiffsinnere, dann die Druckwelle und letztendlich die freigesetzte Entladung der Restenergie aus dem Perpetuum“, erklärt er fast schon begeistert.
Es ist nicht zu übersehen, dass sich Russel nach dem Ende sehnt. Doch Tailor wird erst jetzt bewusst, dass er doch lieber warten würde. Vielleicht noch eine oder zwei Nächte drüber schlafen... wenn es der Hunger und sein ausgemergelter Körper zulässt. Er hat jedoch keine Zeit mehr, weil Russel nun auch Tailor die Entscheidung über Leben oder Tod abnimmt. Russel legt vollkommen emotionslos den Schalter um. Ab jetzt beträgt Tailors Lebenszeit nur noch 30 Sekunden . . .
„Wir haben alle Schuld, weiß du? Ich habe durch eine unüberlegte Entscheidung auf dem Schlachtfeld damals meine Kameraden auf dem Gewissen . . . und du, mein lieber Bruder, Seb und mich.“
Tailor schaut erschrocken auf, doch nicht wegen Russels Worte.
Hinter dem Fenster sieht er ein Landungsschiff der Weltraumrettungsorganisation SAVe7. Der gesamte Asteroid ist nun in fließend grelles Licht gehüllt. Da sind keine finsteren Schatten und rote Augen mehr. All das Unheimliche ist nun verschwunden und es ist so atemberaubend schön und hell. Der Funkspruch . . . Er wurde erhört. Aber . . .
„Sie dürfen nicht näher kommen! Sie dürfen nicht neben uns landen!“ schreit Tailor aus vollem Halse. Er hämmert verzweifelt mit seinen Fäusten gegen die Scheibe, doch es ist zu spät.
Gerade als das Landungsschiff direkt neben Tailors Transitraumschiff aufsetzt, wird die Druckwelle freigesetzt und zerfetzt alles Metall, sowie einen Großteil des Felsgesteins auf dem Asteroiden. Nichts bleibt mehr übrig. Nichts, bis auf die ewige Stille und eine unvorstellbare Weltraumkälte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

~ Überall dort wo es Leben gibt, sollte auch die Hoffnung existieren ~


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Weltraum Universum Asteroiden Kurzgeschichten


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Vielen Dank an Murdered, XfrogX und auch an ingoeins für den Support bei meinem ersten Kurzgeschichtenversuch hier auf CW. Ein zweites, und vorerst auch letztes Mal werde ich mich an das Projekt Kurzgeschichte wagen.


 

 

In diesem Sinne . . . ein weiteres Mal viel Spaß beim Lesen.

 

 


Avi

 

 

 

 

 

Das Tor

 

 

„Diese Welt kann nicht alles sein. Da muss es noch mehr geben.“
„Du spielst zu viele Videospiele, Phillip.“
Phillip kann es nicht leiden, wenn sein sogenannter bester Freund die Augen verdreht und ihn nicht ernst nimmt. Schon seine Eltern nehmen ihn nicht ernst. Sie sagen auch er zockt zu viel und sollte lieber raus gehen und mit anderen Kindern spielen. Das hat Phillip mit 8 oder 9 Jahren gemacht, doch nicht mehr jetzt, wo er schon 12 Jahre alt ist. Nein, er weiß einfach das dieser Alltag nicht alles sein kann. Die Schule langweilt ihn und seine Eltern nerven einfach nur noch. Er soll gute Noten schreiben, lernen und sich auf das Wesentliche konzentrieren, sonst … Ja, sonst... Phillip wird wütend. Sie wollen ihm doch tatsächlich seinen 3DS wegnehmen. Das ist gemein, denn er war sein Weihnachtsgeschenk. Das hat Phillip genau ein Jahr lang Betteln und Flehen gekostet. Er dachte schon, dass sein Traum niemals wahr werden wird. Doch jetzt, wo er den 3DS hat, ist er unsagbar glücklich. Fremde Welten liegen direkt in seinen Händen. Das ist anders als Papas PC Spiele, welche er meist ohnehin nicht versteht.
„Phillip?“
„Hm?“
Er schaut müde auf. Sein sogenannter bester Freund sieht nachdenklich aus. Das ist ein komischer Anblick, weil Roman ihn immer irgendwie an ein Äffchen erinnert. Das liegt an seinen großen, abstehenden Ohren. Irgendwann sollen sie einmal operativ angelegt werden, doch Roman hat auch irgendwie Angst davor.
„Du warst früher so anders.“
„Wie meinst du das?“
Phillip versteht nicht.
„Naja, wir haben früher gemeinsam gelernt, dann waren wir auf Bäumen klettern. Siehst du den da drüben?“
Phillip folgt seinem Blick und ja, da ist er. Der große „Baumwächter“, wie sie ihn früher einst genannt haben. Er steht mitten in einem Wohngebiet und ist zwischen all den kleinen, frisch gepflanzten Bäumen der älteste und größte aller Bäume. Er sieht schon majestätisch aus, wie er so seine Äste gen Himmel reckt. Der Himmel ist grau und trüb. Kein Wunder, denn es ist Winter und noch dazu bitterkalt. Aber immerhin ist es windstill. Der Schnee knirscht ab und an unter seinen Winterstiefeln. Ein Geräusch, welches Phillip irgendwie mag. Es war letzte Nacht jedoch so kalt, dass selbst der Schnee auf den Fahrzeugen, Dächern, der Straße und auch auf den Ästen dieses Baumes gefroren ist.
„Ich will wieder mit dir auf Bäumen klettern oder irgendwas Verrücktes machen. Aber seitdem du dieses Gerät hast, beschäftigst du dich nur damit. Du schaust ja nicht einmal auf, wenn man mit dir redet.“
Nicht er jetzt auch noch! Phillip wird leicht wütend. Immer diese Vorwürfe, welche er auch schon beinahe Wort für Wort von seinen Eltern kennt.
„Na, ich muss doch sehen, was ich mache. Außerdem ist es jetzt zu kalt, um auf irgend welchen Bäumen zu klettern. Ich will lieber nach Hause. Die Schule ist vorbei und ich habe Freizeit. Die will ich nicht hier draußen verbringen. Es ist außerdem arschkalt!“
„Ja, aber wir könnten Rodeln gehen.“
„Rodeln?“
Phillip verzieht sein Gesicht zu einer Grimasse. „Sind wir dafür nicht schon viel zu alt?“
„Du spinnst!“ Roman schüttelt seinen Kopf und beschleunigt seine Schritte. Er ist wirklich sauer, doch das ist Phillip im Moment egal. Wieso versteht ihn einfach keiner? Hier in dieser Welt macht es ihm keinen Spaß. Nichts macht hier Spaß. Weder spielen, lernen, noch sonst irgend etwas. Er fühlt sich hier so fehl am Platz. Das ärgert ihn. Viel mehr noch als die ständigen Vorwürfe seiner Eltern und neuerdings auch seines vermeintlich besten Freundes.

 

 

 

 

Es sind nun schon zwei Stunden vergangen, Phillip ist vollkommen durch gefroren (bis aufs Mark) und Roman hat noch nicht genug. Spielen. Draußen im Schnee. Wieso macht er das mit? Um Roman einen Gefallen zu tun? Phillip hätte schon längst ein paar Level seines Lieblingsspieles auf dem 3DS spielen können. Das hätte viel mehr Spaß gemacht als Schneemänner zu basteln, dämliche Schneeengel zu malen und sich mit Schneebällen zu bewerfen.
„Schau mal! Da drüben sind S- Bahn Schienen!“
„Ja und?“
Phillip will nur noch nach Hause.
„Komm mit!“
Er beißt auf seine Lippen, reibt seine steif gefrorenen Hände und folgt seinem Freund. Sie laufen vorsichtig, immer mit der Absicht nicht gleich auszurutschen, einen schmalen Weg an den Hochhäusern vorbei in Richtung S- Bahn Gleisen. Der Bereich ist eingezäunt, jedoch entdeckt Roman sehr schnell eine Schwachstelle im Zaun.
„Bist du bekloppt? Du willst doch nicht da durch kriechen . . . oder?“
„Komm schon! Das ist Abenteuer. Wenn du überhaupt noch weißt was das ist“
, entgegnet er vorwurfsvoll.
Es wirkt, denn Phillip folgt ihm zähneknirschend und zwängt sich ebenfalls durch das kleine Loch.
Die Sonne steht hoch am Himmel. Ein kleiner gelber Kreis quält sich durch die dichte Wolkenfront. Wären die Wolken nicht so dicht, wäre es ein recht sonniger Wintertag. Gegen etwas Wärme hat Phillip jetzt nichts einzuwenden. Seine Gedanken werden jäh unterbrochen, als er Roman auf die Schienen laufen sieht.
Hey! Spinnst du? Was machst du da?“
„Das ist doch cool. Wir gucken ob ein Zug kommt, und wenn wir ihn sehen, dann springen wir schnell zur Seite.“
„Was soll denn der Scheiß?“
Hat Roman jetzt total den Verstand verloren? Phillip kann es nicht fassen.
„Das habe ich mal in einem Film gesehen und finde das voll cool.“
„Ich geh lieber nach Hause und zocke etwas.“
„Schisser!“
„Ja, dann bin ich eben ein Schisser.“
„Ach, komm schon. Das ist genial.“
Vielleicht in deiner Welt
, denkt Phillip grimmig. Phillip erstarrt und beobachtet eine Weile wie Roman auf den Gleisen steht und friert. Ein Bahnhof ist nicht in Sicht, aber Phillip weiß wo er ist. Zwei Querstraßen weiter, direkt neben Edeka, wo seine Eltern immer einkaufen gehen. Phillip muss zum Glück nicht mit der S- Bahn fahren, wenn er zur Schule muss. Sie ist fußläufig direkt in seiner Nähe.
„Ich bin ein Agent. Und ich werde die Feinde bekämpfen.“
Was brabbelt der da? Der schaut zu viele Filme, da ist sich Phillip sicher.
„Hey, komm schon. Oder ich erzähle allen in der Schule, dass du ein Schisser bist. Die denken schon das du ein Nerd bist, also wäre das noch schlimmer. Ein Schissernerd!“
„Hör doch auf!“
„Schissernerd!“
Phillip hat die Schnauze voll. Er könnte sich jetzt einfach umdrehen, sich erneut durch den Zaun quetschen und nach Hause gehen. Doch irgend etwas hält ihn davon ab. Es ist ein Gefühl. Ein Gefühl, welches er schon einmal beim Spielen mit seinem 3DS bemerkt hat. Hier gibt es noch mehr als nur diese Welt. Früher ist er in Bücher eingetaucht, doch da waren die Welten nicht ganz so plastisch wie in den Videospielen. Wenn Gedanken und Ideen lebendig werden, hat er sich seit da an gefragt, was ist dann real in dieser Welt? Sind denn die Gedanken nicht selbst die Realität? Genau diese Gedanken begleiten ihn auf den Weg zu den Schienen. Er stellt sich direkt neben Roman und schaut in Richtung Horizont.

 

 

 

 

Irgend etwas schimmert am Ende der Schienen. Was ist das? Es wirkt so unwirklich, so surreal? Phillip kneift seine Augen zusammen, um mehr erkennen zu können. Das kann doch nicht . . . Phillip erkennt ein Tor. Ist dies eine Pforte in eine andere Welt? Eine Pforte wie er sie in den Videospielen gesehen hat? Phillip hört plötzlich Roman schreien, er versteht jedoch nicht was er sagt. Er sieht nur dieses Tor. Ein Zug rast heran und direkt durch dieses milchig- schimmernde Tor hindurch. Es ist ein weißer ICE, welcher beinahe eins mit seiner Umwelt wird. Der Zug rast auch auf ihn zu, jedoch, genau wie beim Tor, direkt durch ihn hindurch. Was ist geschehen? Phillip weiß es nicht, und er will es auch gar nicht wissen. Alles was er sieht, ist dieses Tor.
Phillip macht sich auf den Weg zum Tor und als er es erreicht hat, spürt er diese fließende Wärme. Es ist ein eigenartiges Gefühl. So schön beruhigend. Als er seine Hand ausstreckt, verschwindet sie im Tor. Was wohl jenseits dieser Pforte liegen mag?
„Nein!“ Er hört plötzlich seine Mutter schluchzen und weinen. Komisch... aber das Tor. Diese Wärme und Glückseligkeit. „Phillip! Es kann doch nicht...“ Die Stimme seiner Mutter wird immer leiser und als er durch das Tor tritt, verschwindet sie vollends.

 

 

 

 


Diese Welt ist so atemberaubend. Alles glitzert und schimmert blau, violett und auch in Farben, welche Phillip noch nie zuvor gesehen hat. Er hätte nicht einmal Worte, um sie beschreiben zu können. Es ist ähnlich wie mit dem Wort, welches beschreiben soll, dass man nicht mehr durstig ist. Das gibt es einfach nicht. Niemand hat sich da etwas für ausgedacht. So ist es auch mit den Farben hier in dieser Welt. Sie fließen, sind fest und manchmal singen sie auch. Wenn sie singen, empfindet es Phillip als besonders schön.
„Du hast dich hier sehr gut eingewöhnt.“
Er schon wieder. Oder ich schon wieder? Phillip weiß es nicht. Er sieht hier immer einen Jungen, der aussieht wie er selbst, es aber irgendwie auch wieder nicht ist, weil er Dinge weiß, von welchen er noch nie in seinem Leben gehört oder etwas erfahren hat.
„Die Kristalle sind gewachsen.“
Phillip deutet auf die neue Säule, die neben dem Schloss entstanden ist. Das Schloss ist für ihn unerreichbar. Leider, aber irgendwann will er da mal hin. Es erinnert ihn an ein Schloss, welches er mal in einem Spiel gesehen hat. Jedoch verschwinden die Treppenstufen, sobald er drauf tritt. So ist es auch mit den Kristallen. Phillip geht auf zwei schwebende Kristalle zu. Es knirscht unter seinen nackten Füßen. Es prickelt dabei ein wenig zwischen seinen Zehen. Kaum hat die schwebenden Kristalle erreicht, lösen sie sich plötzlich auf. Am komischsten sind jedoch die Spiegel. Hier in dieser Welt gibt es Spiegel, und wenn er hindurch sieht, kann er die Gesichter seiner Eltern sehen. Sie sehen traurig aus. Vielleicht liegt es auch daran, weil Phillip sie nicht vermisst. Hier in dieser Welt vermisst er ohnehin nichts. Er ist glücklich.
„Ja, dass bist du so lange bis alles weg ist.“
„Du sprichst wieder in Rätseln.“
„Rätsel gibt es nicht, Phillip.“
„Doch. Sonst gäbe es nicht so viele Fragen.“
„Was sind Fragen?“
Phillip will antworten, doch plötzlich hat er tatsächlich vergessen was Fragen sind. Was haben sie für eine Bedeutung und warum sind sie da? Gedanken sind real. Aber Fragen? Er denkt, aber fragt nicht. Er denkt und weiß. Er weiß auch jetzt warum Fragen da sind. Sie sind die Antworten, die man sich gibt, ohne die Antwort selbst auszusprechen. Sie sind wie Spiegel der Antworten. Fragen sind nicht real, aber dafür die Antworten. Die Bedeutung liegt im Innern. Warum ist die Welt rund? Weil sie eckig ist. Warum gibt es die Zeit? Weil nichts existiert. Warum existiert nichts, wenn doch so vieles real ist? Weil nichts real ist. Was ist dann real? Das was du fühlst und denkst. Hörst du auf zu denken, dann ist nichts mehr real. Weder die Gedanken, die Fragen, die Zeit, noch die Welt. Phillip lächelt. Diese Welt ist so schön, warm und ruhig. Überall entstehen Dinge, und sie vergehen auch wieder, um neuen schönen Dingen Platz zu machen. Er sieht Kristalle, hört dem Gesang kleiner Feen zu und wenn er eine Wiese sieht, auf welcher große Bären liegen, weiß er dass alles gut ist. Hier ist alles gut.
„Sieh da! Es beginnt alles zu sterben.“
Eine große schwarze, bedrohlich Wand beginnt alles zu verschlingen. Wie ein Schleier oder ein Leichentuch werden das Schloss, die Wiesen, Kristalle und Spiegel überdeckt. Alles verschwindet ihm Nichts und das macht ihn traurig. So unsagbar traurig... Er mag dieses Gefühl nicht. Trauer ist hier so falsch. Trauer gehört hier nicht her.
„Nein. Das soll nicht geschehen.“
„Ich will das nicht.“
„Das ist nicht gut.“
„Hier habe ich mich wohl gefühlt und will noch länger hier sein.“
„Sie wissen nicht das ich hier glücklich bin. Hier wollte ich schon immer mal hin. Das ist mein Ort.“
„Macht ihn nicht kaputt...“
„Macht ...“
„...ihn...“
„nicht ...“

 

 

 

 

 

 


„Es war die einzig richtige Entscheidung, mein Schatz.“ Frank schaut seine Frau bestürzt an. Diese Entscheidung war wirklich nicht leicht. Aber sie musste getroffen werden.
„Das wäre doch kein Leben für ihn gewesen“, schluchzt sie.
„Nein. Du hast Recht.“
„Er war doch praktisch schon tot, oder?“
„In der Tat. Sie brauchen sich keine Vorwürfe zu machen. Er war hirntot und nur noch die Maschinen haben ihn am Leben erhalten“
, versichert ihnen der Arzt. Wie ein Halbgott in weiß steht er neben Phillips Krankenbett. Phillip liegt dort und schläft. Für immer. Der Schlauch seiner Beatmungsmaschine schaut noch aus seinem Mund, obwohl sie längst abgeschaltet ist. Er wirkt tot. Er . . . ist tot. Eingeschlafen für immer. „Man sagt, dass Bewusstsein entstehe im Gehirn und genau das bildet unser "Ich". Auch wenn einige Spinner meinen, das Bewusstsein existiert abgekoppelt davon.“ Er unterdrückt sein Schmunzeln, denn diese Eltern leiden gerade sichtlich unter dem Verlust ihres Sohnes. „Ich kann ihnen jedoch versichern, dass ihr Sohn schon tot war bevor wir die Maschinen abgeschaltet haben.“
Frank nimmt seine schluchzende Frau in den Arm und nickt. Er stimmt ihm zu, versucht stark zu sein, doch ein fader Beigeschmack bleibt. Haben sie wirklich die richtige Entscheidung getroffen?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


 


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Kurzgeschichten Surreal Dimension Materie Geist


Dieser Blog ist unsichtbar!

 

Nach meinem letzten Blog, welcher eher visueller Natur war, haue ich diesmal richtig in die Tasten und versuche mich nun an einer Kurzgeschichte. Wenn diese halbwegs lesenswert ist, schreibe ich bei Bedarf vielleicht noch eine weitere Kurzgeschichte. In diesem Sinne . . . viel Spaß beim Lesen.

 

 

 

 

Fliegen


Mark hat schrecklichen Durst. Es ist spät am Nachmittag und er hat seit Stunden weder gegessen, noch getrunken. Erschöpft wischt er sich mit seinem behandschuhten Handrücken den Schweiß von der Stirn und hinterlässt dabei eine dreckige Spur auf seiner klebrigen Haut. Mark's Blick verfinstert sich als er die Berge der Müllhalde so betrachtet. Meter um Meter wachsen diese tagtäglich an. Alles Zivilisationsdreck, welcher nun von der Nachmittagssonne in einen grellen Schein gehüllt wird. Seine Augen beginnen zu tränen, je länger er dort hinschaut.
„Was für ein scheiß Job“, murmelt er. Doch was soll er machen? Er hat dieses Jahr schon wieder keinen Ausbildungsplatz bekommen und noch ein Jahr sinnlos rumsitzen bringt doch nichts. Der Job auf dieser beschissenen Mülldeponie ist alles andere als reizvoll, doch er wird gut bezahlt.
           Mark ist 19 Jahre alt und schon in der Schule nicht besonders gut gewesen. Es reichte gerade einmal für einen Hauptschulabschluss. Schlecht genug, dass sein Vater noch mehr Gründe hat ihn fertig zu machen, aber immerhin besser als gar kein Abschluss. Wenn er diesen ganzen Schrott so sieht, verteufelt er sich dafür das er den noch härteren Job auf dem Bau nicht angenommen hat. Aber dieser wäre bloß ein Praktikum gewesen und das was er braucht ist Geld und keine Beschäftigung. Seine kleine Einraumwohnung, sowie diverse Rechnungen müssen bezahlt werden. Das er nun von oben bis unten nach verfaulten, abgestanden und verrotteten Zeugs stinkt, gefällt ihn absolut nicht. Er hätte heute bis Mittag ausschlafen können, um dann in Ruhe den Tag zu beginnen. Heute jedoch ist der erste Tag seines neuen Lebens, wie seine Mutter am Telefon euphorisch zu ihm sagte. Super, Toll, Applaus. Um halb sechs aufstehen, duschen (wofür eigentlich bei diesem Dreck?) und ab in die Straßenbahn zum Müllplatz.
Mies gelaunt macht er sich auf dem Weg zum kleinen Personalhäuschen. Es ist viel mehr ein kleiner Container, in welchen eine alte Couch, ein paar Spinds und ein Bürotisch seines Chefs stehen. Auf dem Weg dorthin stolpert er beinahe über eine kleine Blechdose.
         „Fuck!“ Wütend kickt er sie weg, so dass sie lauthals gegen einen Berg aus Altmetall prallt. Das wiederum schreckt einen Schwarm Fliegen auf, welcher sich dort niedergelassen hat. Mark schenkt ihnen keine Beachtung. Viel mehr ärgert er sich darüber was für Zeugs doch die Menschen wegwerfen. Das was er heute alles gesehen hat, wird ihn noch bis in seine Träume verfolgen. Halbierte Ratten, entsorgte Haustiere, benutzte Kondome, sowie ein defekter Dildo waren unter all dem noch die witzigsten Sachen gewesen.
Kaum im Container angekommen, öffnet Mark seinen Spind und greift nach seiner Cola Flasche. Die dunkle Zuckermasse fließt durch seine Kehle, doch ganz gleich wie viel er auch trinkt, es löscht einfach nicht seinen Durst.
„Handschuhe ausziehen, wenn du Essen und Trinken willst! Ich hab dir doch alles erklärt wie es hier abläuft!“ schimpft sein Chef.
          Scheiße, was will der denn jetzt hier? Mark schraubt die Flasche zu und murmelt eine Entschuldigung.
„Morgen wieder zur gleichen Zeit, aber vorher will ich noch was mit dir besprechen. Sei pünktlich!“ Kaum hat er das ausgesprochen, ist er auch schon wieder weg.
„Vielen Dank das du mir einen schönen Feierabend gewünscht hast.“ Mark holt seinen Rucksack aus dem Spind und knallt wütend die metallene Tür zu. „Wichser!“
         Sein Chef ist ein untersetzter Gnom mit dem Aussehen einer Robbe. Letzteres liegt an seinem beschissenen Bart. Mark kann ihn echt nicht leiden. Sein Chef macht eben kein Geheimnis draus, dass er ihn für einen Assi hält, aber wenn er so denkt, dann kann sich Mark auch ruhig wie einer verhalten. Aus diesem Grund lässt er provokativ seine dreckigen Sachen und Handschuhe an, und macht sich auf dem Weg nach Hause. Das Tor erscheint ihm beinahe wie die Pforte in eine andere Welt. Nein, dass ist übertrieben. Wie der Weg zurück in die Freiheit. Eigentlich hätte er auch in den Knast gehen können, denkt er grimmig.
         Er zuckt erschrocken zusammen als sich eine Fliege auf seine Wange setzt. Er wischt sie weg und greift nach der Klinke. Die Fliege jedoch lässt nicht locker und setzt sich auf seinen dreckigen Overall, welcher einmal blau gewesen ist. Jetzt ist er grau und mit allerlei Zeugs verklebt. Eine zweite Fliege scheint Gefallen an seinen stinkenden Sachen zu finden, und nimmt auf einer Falte seines rechten Hosenbeines Platz. Egal, er will jetzt nur noch nach Hause.

 

 

 

 

 

 


          Was für ein Spaß. Mark kann sich unter der Dusche ein Lächeln nicht verkneifen. Er hat gestunken wie ein abgelaufener Joghurt als er in die Straßenbahn gestiegen ist. Die Gesichter der Fahrgäste waren unbezahlbar. Eine alte Oma hat sogar ihr Tuch vor die Nase gezogen. Einfach herrlich. Mark grinst vergnügt, seift sich ein und duscht kurz darauf alles ab. Nachdem er das Wasser abgestellt hat, verharrt er noch einmal kurz in dem heißen Dampf. Ist dies wirklich sein Leben? Er hat eine eigene Wohnung, aber keinen guten Job. Immerhin hat er jetzt einen Job, und er muss sich nicht mehr anhören das er bloß ein arbeitsloser Taugenichts ist. Seine Freundin hat ihn verlassen, weil er zwar sehr süß (vielen Dank für die Blumen) jedoch vollkommen orientierungslos im Leben ist.
Mark verlässt die Duschkabine und trocknet sich flüchtig ab. Orientierungslos. Blödes Wort, empfindet er. Was Frauen immer alles wollen. Er ist gut im Bett. Reicht das nicht? O.K., er kann sich zwar nicht immer alles leisten und Frauen auch nicht immer alles kaufen, aber ist Geld denn wirklich alles im Leben?
         Scheiße. Er hasst solche Momente, wo er sein Leben und sich selbst in Frage stellt. Einfach vor sich hin leben und nicht nachdenken. Einfach die Vorwürfe seines Vaters und seiner Ex vergessen. Ja, so will er es machen. Mark atmet tief durch, verscheucht eine Fliege von seinem Waschbecken und beginnt sich die Zähne zu putzen.

 

 

 

 

Es dämmert bereits und die Sonne wirft ihr dreckig gelbes Licht in sein kleines Wohn- und Schlafzimmer. Seine Wohnung ist eine unaufgeräumte Baracke im 6. Stock eines Plattenbaus. Diese Häuser sind saniert und somit sieht dieses Gebiet nicht mehr ganz so nach Slum aus. Der Penner, welcher es sich eine Straßenecke weiter gemütlich gemacht hat, sowie einige Läden, deren Fenster mehrmals eingeworfen worden sind, sprechen eine viel deutlichere Sprache. Mark kann es drehen und wenden wie er will, aber er wohnt scheiße. Dafür ist die Miete jedoch sehr günstig und es gibt einen Müllschlucker im Treppenhaus.
          Gelangweilt streckt er seine Beine auf seinem Klappbett aus und schaut auf seinen Fernseher. Er zockt gerade, wenn auch sehr halbherzig, Skyrim. Er hat schon gar keine Ahnung mehr, was er in dem Spiel alles machen wollte. Eine Fliege setzt sich plötzlich auf seinen Controller. Er muss den Controller mehrmals schütteln, damit die Fliege endlich weg fliegt. Gerade als ihm endlich wieder einfällt, was er in dem Spiel als Nächstes machen will, setzt sich dieses Mistvieh auf seine Hand und reibt sich die Beine.
„Fuck!“ Er schüttelt seine Hand heftig, bis sie endlich abzischt. Mark beginnt sich nun zu fragen, ob er diese Viecher von seiner Arbeit mitgenommen hat. Ziemlich anhänglich diese Kackbratzen, denkt er grimmig. Er will weiter zocken, doch das Summen seines auf stumm geschalteten Smartphones schreckt ihn auf. Ohne den Controller loszulassen, greift er nach dem Smartphone, drückt auf den grünen Hörerknopf und nimmt das Gespräch an.
„Ja“, knurrt er lustlos.
„Wie war dein erster Arbeitstag?“

„Jenny?“ Mark richtet sich auf seinem Bett auf. Kaum zu glauben das ihm seine Ex Jennifer anruft. Um sich noch einmal davon zu überzeugen, wirft er einen Blick auf's Display. Tatsächlich. Da steht ihr Name. „Weswegen rufst du mich noch mal an?“
„Es interessiert mich wie es dir so ergangen ist und wie die Arbeit so war.“
„Hm... Naja, es war O.K.“, lügt er.
„Das ist ja toll. Wollen wir uns mal wieder treffen?“
           Ich arbeite auf einem beschissenen Müllplatz und werde über die Hälfte eines jeden Tages stinken, geht es ihm erzürnt durch den Kopf. Ist es das was sie sich wünscht?
„Warum sollten wir das tun? Du hast Schluss gemacht.“
„Ich dachte ja nur...“
„Ja, du sollst nicht denken!“
„Mark, ich will dich doch einfach nur treffen.“
„Warum? Weil ich jetzt wieder eine Perspektive habe?“ fragt er gehässig und mit starker Betonung auf das Wort Perspektive.
„Warum bist du denn so wütend?“

„Ich bin nicht wütend. Ich habe einfach nur keinen Bock mehr auf dich!“ Er kann ihre liebliche Stimme nicht mehr ertragen. Als Konsequenz aus der ganzen Scheiße, legt er auf. Was hat sich diese Tusse nur gedacht? Er feuert das Smartphone wütend zu Boden und atmet tief durch. Dabei fliegt ihm jedoch eine Fliege in den Hals, er hustet, wirft den Controller beiseite und versucht nun panisch nach Luft zu japsen. Die Luftröhre scheint blockiert zu sein und er bekommt einfach keinen Sauerstoff mehr. Mark beugt sich nach vorn und hustet so laut und angestrengt, bis sein Kopf rot anläuft. Als er schon glaubt ersticken zu müssen, lässt der Druck endlich nach und er kann wieder atmen.
              „Fu. . .“, presst er mühsam hervor und greift nach seinem Cola Glas. Er schüttet dieses warme Getränk, dessen Kohlensäure sich bereits vollständig aufgelöst hat, in einem Zug herunter. Ist das schön wieder Luft zu bekommen und atmen zu können. Mark lehnt sich erschöpft zurück, doch als er eine weitere Fliege erspäht, welche es sich auf seiner Socke bequem gemacht hat, verliert er seine Fassung.
„Ihr scheiß Viecher!“ Mark schüttelt energisch seinen Fuß, bis die Fliege weg fliegt, und richtet sich auf. Er rollt die Tageszeitung vom letzten Freitag zusammen und geht auf die Jagd. Diese kleinen Biester mit ihren Facettenaugen und diesen haarigen Beinen... Mark will sie alle vernichten und somit seine Wohnung von dieser Plage bereinigen!

 

 

 

 

 

 

Es ist zum Verzweifeln. Drei Viecher hat er bereits erwischt, doch eine schwirrt hier immer noch irgendwo herum. Die drei Fliegenleichen liegen im Bad, auf der Spüle und auf seinem TV Tisch. Doch eine fliegt hier immer noch fröhlich durch die Gegend. Da sitzt sie! Mark sieht diesen kleinen, schwarzen Fliegenkörper auf seiner Heizung sitzen. Sie reibt ihre Hinterbeine und als er sich ihr langsam nähert, zuckt sie ein wenig zusammen. Es ist fast so, als würde sie ihn sehen. Als würde sie ahnen was gleich geschehen wird. Und so ist es auch, denn als er mit seiner Zeitung ausholt, erhebt sie sich und fliegt an die Decke. Kopfüber starrt sie ihn an und reibt sich nun die Vorderbeine.
Dieses Insekt muss sterben, geht es Mark immer wieder durch den Kopf.
             Sein Jagdtrieb ist angeheizt und er will es beenden. Dieses eine Mal will er siegen und es sich selbst beweisen, dass er es drauf hat. Das er wer ist. Mark holt den kleinen Hocker aus seiner Küche, oder vielmehr aus der Kammer, denn viel größer ist seine Küche auch nicht. Er platziert ihn vorsichtig genau unter dieser Fliege, steigt hinauf und muss verzweifelt mit ansehen wie die Fliege Reißaus nimmt und sich auf den Türrahmen der Flurtür setzt.
„Du bist tot! Du weißt es nur noch nicht!“ Mark steigt ab und schleicht vorsichtig in Richtung Türrahmen. Er kommt sich zwar richtig dämlich vor, aber bis nicht die letzte Fliege gefallen ist, kann er heute Nacht nicht mehr ruhig schlafen. Und da ist sie. Direkt vor ihm. Sie scheint ihn anzusehen. Diese kleinen, utopischen Augen wie aus einer anderen Welt. Ja, genau das ist es. Diese Viecher sind keine Erdlinge.
           „Pff...“, macht er und fragt sich was ihm gerade für einen Scheiß durch den Kopf geht. Er holt aus und erwischt die Fliege. Ihr toter Körper fällt zu Boden und bleibt dort mit nach oben gestreckten Beinen regungslos liegen.
Mark ist zufrieden. Er lächelt, geht in die Hocke und betrachtet dieses leblose Vieh. „Jetzt ist klar, wer hier der King ist!“ Kurz darauf erhebt er sich wieder und tritt mit seiner Socke auf die tote Fliege. „So. Zeit fürs Essen“, meint er mit Blick auf sein halbes Käsebrötchen, welches auf dem kleinen Tisch neben seinen Klappbett liegt.

 

 

 


Schon seit über einer Woche fühlt er sich schwach und heute hat er gar so etwas wie Fieber. Dieser Job macht ihn krank. Mark klettert über den Bauschutt und schaut grimmig zum trüben Himmel hinauf. Da kommt heute noch was runter, so viel ist sicher. Die Wolken sind fast schwarz und irgendwo jenseits dieser dicken Wolkenfront wetterleuchtet es. Nicht mehr lange und es donnert und blitzt. Nein, heute wird er diesen Job hinschmeißen. Ist doch egal was alle denken. Er wird etwas anderes finden. Scheiß auf seinen Vater und scheiß auf Jenny. Ein starker Krampf zwingt ihn auf einmal in die Knie.
           „Nicht schon wieder diese Schmerzen.“ Er verzieht sein Gesicht zu einer Grimasse und ballt seine Hand zur Faust.
„Hey, Bauwer! Du hast keine Pause, also geh rüber und lade den Müll auf die Karre!“ brüllt sein Chef, welcher ihn vom Westhügel aus erspäht hat.
Diese verkackte Robbe, denkt er, doch ein weiterer Krampf unterbindet jedweden Gedanken. Alles was er denken kann ist nur noch Schmerz. Mühsam und seinen schimpfenden Chef ignorierend, schleppt er sich aufs Klo. Er weiß gar nicht mehr wie er es geschafft hat, doch kaum ist er dort angekommen, spuckt er Blut neben der geschlossenen Kloschüssel. Kurz darauf wird er ohnmächtig.

 

 


Es ist ein ruhiger Vormittag. Besonders viele Menschen sind nicht gekommen, aber Mark kannte auch nicht mehr so viele Leute. Vor allem nach seinem Schulabschluss sind es immer weniger geworden. Jeder ging seines Weges, um Familien zu gründen oder im Job, der Ausbildung oder der Karriere voran zu kommen. Nur er blieb auf der Strecke.
Die Blicke der Menschen sind nicht besonders betroffen. Hier und da schnieft jemand. Allen voran seine Mutter. Die Miene seines Vater hingegen ist eiskalt. So wie immer. Jenny weint auch. Aber die anderen flüchtigen Bekannten schauen schon auf die Uhr. Zeit ist kostbar heutzutage.
             Der Priester klappt sein Buch zusammen, sagt noch ein paar tröstende Worte und lässt kurz darauf die Trauernden mit einem gespielt - mitleidigen Blick alleine am Grab zurück.
„Ich hätte niemals gedacht das er mal an einem Virus sterben würde“, murmelt einer der Trauergäste.
„Wie kann so etwas denn passieren?“ Fragende Blicke überall.
„Er hat sich wohl durch Insekten angesteckt. Bei dem aggressiven Erreger kein Wunder. Wäre er früher zum Arzt gegangen, würde er vielleicht noch leben. Echt schade.“
„Schade? Er hat doch eh nichts erreicht im Leben. Ich meine, wer war er denn schon?“
„Nicht so laut. Seine Eltern!“
„Na, ist doch wahr.“
               Es dauert nicht lange bis sich die Trauergäste von Mark's Grab entfernt haben. „Geliebter Sohn“ steht unter seinem Namen in silbernen Lettern. Die Sonne umhüllt sein Grabstein mit einem warmen Schein. Es riecht nach aufgewühlter Erde und den Blumen diverser Trauersträuße. Ab und an weht ein starker Fliedergeruch am Grab vorbei. Alles ist ruhig und selbst die Vögel auf diesem Friedhof scheinen nun zu schweigen. Eine Fliege umschwirrt die Blumen, dreht ein paar Runden und setzt sich schließlich auf sein Grabstein. Genüsslich beginnt sie ihre Vorderbeine aneinander zu reiben.

 

 


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